WORTE MACHEN MENSCHEN | LEUTE

10. März 2026

Werben für das schöne Wort „Leute“.

In Politik und Kultur hat sich der Ausdruck „die Menschen“ festgesetzt. So pickfest und so leiernd, dass einem ganz anders wird – besonders wenn Politiker in einer Saalrede pathetisch „die Menschen da draußen“ rufen, ohne zu merken, dass sie dabei für sich und die Menschen im Raum etwas Höheres beanspruchen.

Ginge es nicht ein bissl leutseliger? Doch, es ginge. Die deutsche Sprache hat ein geniales Wort für „die Menschen“. Dieses Wort ist „Leute“. Die Herkunft aus althochdeutsch „liut“ = Volk (altenglisch „leod“ = Nachwuchs) ist edel. „Leute“ steckt sogar im hellenischen „eleutheros“ (ἐλεύθερος) = „frei“. Redensarten wie „Aus Kindern werden Leute“ oder „Kleider machen Leute“ zeugen davon, dass die Bedeutung von „Leute“ die von „Persönlichkeit“ war und somit ehrenvoll gemeint war.

Sicher, in der Umgangssprache ist „Leute“ abgerutscht. „Leute“, das ist eine undefinierte Menge, ein Haufen, gedacht für Publikum, Ansammlungen, für Bedienstete oder Kumpels, wie das ein lässiges „Hey Leute!“ oder ein chefmäßiges „Meine Leute“ zeigen.

Bei der gegenwärtigen Inflation von „die Menschen“ wäre eine Rück-Veredelung auf „Leute“ nicht ganz verkehrt. Ich gebrauche das Wort seit eh und je in dieser Wertigkeit. So war ich ganz überrascht, als ich vor Kurzem (Feber 2026) in der Tageszeitung „Dolomiten“ die durchaus seriös gemeinte Überschrift las: „230.000 Leute heben mit Sky Alps ab.“

Nur zu, gebraucht dieses herrlich genderneutrale Wort wertschätzend und abwechselnd zu „Mensch“ oder „Person“ in Schrift und Rede. Zum Schluss noch ein Schmankerl. Im Bairischen gibt es tatsächlich „das Leut“ (Einzahl). Steht für Mensch, Mann, Weib, Kind. Steht sogar im Duden drin.