WO PRIESTER HERRSCHEN

5. Februar 2026

Wir nennen sie verächtlich „die Mullahs“. Aber der Iran verdient Fairness.

Politisch heißt es Iran, das Land der Arier, kulturell aber ist es Persien. So alt wie Ägypten, war Supermacht in der Antike, Traumland im Mittelalter und ist eine Ölmacht der Gegenwart. Seit 1979 regieren im Iran die Priester. Unsere Presse nennt sie „Mullahs“, mit verächtlichem Unterton, das ist, als würden wir Pfaffen zu unseren Geistlichen sagen.

Für einen Amerikaner oder Europäer ist es undenkbar, dass, sagen wir, die Katholische Kirche, ein Land mit 90 Millionen Menschen streng regiert. Viele würden sich im Mittelalter fühlen, aber längst nicht alle.

Die Frage ist vielmehr: Warum hat das Volk den Ayatollah Khomeini damals, 1979, aus Paris zurück geholt und warum haben die Massen die Geistlichen mit der Leitung der Nation betraut? Warum geht Persien seinen eigenen Weg?

Der Arm der regierenden Priester, das sind sind die Revolutionsgarden, die Pasdaran. Gerade erst vor einigen Tagen wurde diese Exekutive des Staates Iran von der EU zur Terrororganisation erklärt. Begründung: Sie habe einen Aufstand blutig niedergeschlagen.

Terrorisieren Israel und Präsident Trump die freie Nation Iran also deswegen mit Bomben und Attentaten, weil dort alles finstere Männer und Terroristen regieren, weil dort die armen Frauen keine Denim-Pants tragen dürfen und die Imame ihre angeblichen Atomraketen gleich neben die Minarette  hinstellen wollen?

Im Westen will man uns das glauben machen. Damit wir voll Überzeugung mit auf den roten Knopf drücken, wie damals, 2003, als es gegen Irans Nachbarland Irak ging, damals, als uns die „eingebetteten Journalisten“ den Angriffskrieg der USA mit Millionen von Opfern als ein kühnes Computerspiel verkauften.

Aber die Masche funktioniert nicht mehr. Es geht um Öl und die Vorherrschaft von Wall Street und London City in der Welt. Die Perser haben sich ihre Priesterherrschaft nicht ausgesucht, weil sie über Nacht so fromm geworden waren. Die Ayatollah-Aktion war ein Akt der äußersten Notwehr gegen die Ausplünderung des Landes durch den Großkapitalismus mit Hilfe gekaufter Eliten (Schah Pahlewi).

Die Herrschaft der Priester ist nicht das Wahre, zugegeben, aber für überhebliches Naserümpfen und Gratis-Feminismus ist das Ganze dann doch zu komplex.

Der Iran verdient sich Fairness, und die fängt mit dem Respekt vor den Sitten und dem materiellen wie kulturellen Eigentum eines Landes an. Iran ist eine große Kulturnation und ein mächtiger geopolitischer Faktor. Mit der Wahl des Präsidenten Pereshkian zeigen die Iraner, das sie eine Evolution zurück zur Normalität wollen. Aber diktieren und zu Ölsklaven machen lassen sie sich nicht.

Regime-Change-Operationen à la Cowboy sind zum Scheitern verurteilt und verursachen nur Gegenreaktionen wie eben die Herrschaft der Priester. Übrigens: Wenn wir unsere Herrschaft, die der Politiker, anschauen – ist die wirklich um so viel besser, als es eine Herrschaft von Priestern wäre?