WENN NIX OHNE FUSSNOTE GEHT

13. Dezember 2022

Fussnoten können schwer sein wie Bergschuhe im Wasser.

Fussnoten sind wichtig für die intellektuelle Redlichkeit wie gute Bergschuhe für einen Gipfelsieg. Nichts abgewinnen kann ich dem skolaresken Zitatenzauber, der sich im Wissenschaftsbetrieb als Standard durchgesetzt hat. Muss man zu jedem X einen Schock Bücher und Aufsätze lesen, um was sagen zu dürfen, oder?

Auf allen Wissens- und Forschungsgebieten ist unendlich viel zusammengetragen und aufgebaut worden. Das ist großartig! Zugleich hemmt es und bremst die Lust ein, frei zu denken und auszusprechen. Überall wäre ein Zitat, eine Fußnote fällig. Meine Überlegungen und Blog-Aufsätze erheben nicht den Anspruch, Wissenschaft zu sein – ja, nicht einmal auf dem letzten Stand des Normalwissens und schon gar nicht fehlerfrei. Ich schreibe gerne wissenschaftsfrei, aber nicht wissenschaftsfern. Es ist nur so, dass ich nicht in den Fußnoten landen und versanden will.

Disziplinen wie Mathematik, Physik, Chemie etc. sind systematisch, logisch und organisch, so dass sie vom Zitatenzauber des Wissenschaftsbetriebes nicht erschlagen und nicht aufgehalten werden können. Aber bei den Geisteswissenschaften! Kein Satz ohne Verweis, kein Gedanke ohne Referenz. Kein Absatz ohne Fussnoten und Klammern. Da wird das Denken und Entdecken zur eisernen Kette mit vielen, vielen Bleikugeln dran.

Gerne bringe ich in heiliger Einfalt eine alte oder auch eine banale Erkenntnis noch einmal, als wäre ich der Erste, der sie entdeckt hätte, und freue mich über das ureigenste Wohlgefühl des Aha. Wer es teilen will, ist willkommen. Die Wissenden werden das verstehen, und die Skolari lasse ich ihre bebrillte Nase rümpfen.