VOR DEM VALENTINSTAG

13. Februar 2026

Ein angelsächsischer Brauch erobert die Welt.

Am Valentinstag den 14. Feber, Namenstag des römischen Heiligen, senden Liebespaare einander Liebesbotschaften zu, beschenken sich, suchen romantische Momente im Beisammensein. Verbreitet ist die Ansicht, dass dieser Brauch auf das alte Rom zurück geht, weil es im Februar Fruchtbarkeitsriten gab (Luperkalien) und auch mehrere Valentins, die später zur Legende wurden.

Tatsächlich aber ist der Brauch eine britische Erfindung. Im Volksglauben hatte sich der Tag des Heiligen Valentin festgesetzt als der Tag, an dem die Vöglein alle sich treffen und paaren. Berühmt der Vers des Dichters:

„For this was on seynt Volantynys day
Whan euery bryd comyth there to chese his make.“

„Es geschah am Valentinstag
Als jeder Vogel kam, um seinen Partner zu wählen.“

(Geoffrey Chaucer: Parlement of Foules 1382, zitiert nach Wikipedia)

In der Folgezeit wurde das Wort „Valentine“ (Verb: to valentine) zum Synonym für Liebhaber, Geliebte, Schatz, sich lieben usw. und der 14. Februar zum Tag, an dem sich die Liebenden füreinander entschieden. Es wurde Brauch, dass sich die Mädchen ins Fenster stellten und auf ein Zeichen ihres Schatzele warteten. Deshalb konnte Englands noch größerer Dichter Wilhelm Shakespeare im Hamlet diesen Vers machen:

Ophelia (singt)

„To-morrow is Saint Valentine’s day,
All in the morning betime,
And I a maid at your window,
To be your Valentine.
Then up he rose, and donn’d his clothes,
And dupp’d the chamber-door;
Let in the maid, that out a maid
Never departed more.“

„Auf morgen ist Sankt Valentins Tag,
Wohl an der Zeit noch früh,
Und ich, ’ne Maid, am Fensterschlag,
Will sein eu’r Valentin.
Er war bereit, thät an sein Kleid,
Thät auf die Kammerthür,
Ließ ein die Maid, die als ’ne Maid
Ging nimmermehr herfür.“

(William Shakespeare: Hamlet (1600–1601), Aufzug 4, Szene 5, zitiert nach Wikipedia)

Als der Buchdruck und die Papierindustrie in Blüte kamen, wuchsen die Liebesbezeigungen in das Schriftliche hinüber. Man sandte dem oder der Liebsten ein kleines Poem auf Papier – zuerst einfach, dann reich verziert.

So weiß Wikipedia:

„Im Jahr 1797 brachte ein britischer Verleger das Werk „The Young Man’s Valentine Writer“ heraus, das viele Verse für junge Liebhaber enthielt, die nicht selbst dichten konnten. Druckereien hatten bereits begonnen, Valentinskarten mit Versen und Skizzen zu produzieren. Man nannte sie Mechanical Valentines. In England wurden sie im frühen 19. Jahrhundert so beliebt, dass sie in Fabriken hergestellt wurden.“

Einen wesentlichen Beitrag zur Verbreitung der Valentinsgrüße leistete die Briefmarke. Mit der Postreform in England war das Versenden von Briefen billig geworden und stand groß in Mode.

Wikipedia weiter:

„Seit dem 19. Jahrhundert gibt knapp die Hälfte der britischen Bevölkerung Geld für Valentinsgeschenke aus, im Jahre 2015 wurden etwa 1,9 Milliarden Pfund für Karten, Blumen, Pralinen und weitere Geschenke eingenommen.“

In Amerika breitete sich der Valentinsbrauch nach englischem Muster aus und kam nach dem zweiten Weltkrieg mit den US-Soldaten nach Europa. Auf dem Kontinent hatte es vor dem angelsächsischem Valentinstag andere kalendarische Liebesbräuche gegeben. In Italien werden am Valentinstag Vorhängeschlösser über einem Wasser angebracht, die Schlüssel ins Wasser geworfen zum Zeichen der unauflöslichen Liebe (siehe Titelbild von dege, 2016).

P.S.

Ich persönlich habe am 14. Feber noch nie Amseln oder Spatzen im Liebesrausch gesehen, und deshalb glaube ich, dass der Brauch, am 14. Feber sich wie die Vögerln eine Liebschaft auszuwählen oder zu bestätigen, mit der Tatsache zusammenhängt, dass in der Landwirtschaft zu Lichtmess der Arbeitsvertrag zwischen Bauer und Knecht, Bäuerin und Magd, verlängert oder gekündigt werden konnte. Jede Magd und jeder Knecht, die ein weiteres Jahr Verdienst und Bleibe hatten, konnte nach Lichtmess mit einer gewissen Aussicht auf Sicherheit eine Liebe eingehen oder bekräftigen. G.D.