VIER JAHRE KRIEG RUSSLAND GEGEN UKRAINE

24. Februar 2026

Am 24. Feber 2022 rücken Truppenverbände der Russischen Föderation in den Donbass ein.

Die Regionen im Osten des Hoheitsgebietes der Republik Ukraine wollen sich von Kiew loslösen und zu Russland gehören. Seit dem Euro-Maidan in Kiew im Jahr 2014 hatten die an die Macht geputschten ukrainischen Nationalisten diese östlichen, russischsprachigen Provinzen mit militärischen Strafexpeditionen überzogen und gequält – alles mit Billigung und Hilfe des Westens. Geopolitisch wollte die NATO ihre Atomraketen vor der Haustüre Moskaus auf- und die Ukraine als bissigen Wachhund dazu stellen (so Papst Franziskus), damit Russland nicht noch einmal zum globalen Konkurrenten Amerikas werden konnte. Dafür nahmen Washington, London und Brüssel in Kauf, dass im Donbass und in Lugansk ein schmutziger Krieg auf dem Rücken der russischsprachigen ukrainischen Staatsbürger auszutragen war. Dann, am 24. Feber 2022, hatte Russland die Nase voll vom Versteckspiel.

Die Russen hatten an eine schnelle Enthebung der vom Westen gesteuerten Regierungsclique in Kiew gedacht. „Es geht um unsere Landsleute“, begründet Präsident Wladimir Putin seine „militärische Sonderoperation“ mit einer bescheidenen Truppengröße von 190.000 Mann, davon 70.000 Logistiker, keine Gefechtssoldaten. Das Spezialkommando der Vorhut musste aber feststellen, dass die Briten das Heft in Kiew schon fest in der Hand hatten und dass die Ukraine bis an die Zähne mit westlicher Technologie und Helfern hochgerüstet war, sagt der italienische Analyst Gaiani. Die Russen mussten Strategie wechseln und begannen einen mühseligen Kampf Dorf um Dorf, Haus um Haus. Seitdem sind sie unaufhaltsam vorgedrungen.

Heute, am 24. Feber 2026 sind ungefähr 80% des Territoriums der russischsprachigen Ostprovinzen militärisch von Russland erobert. Bald wird die Föderation ihre Ziele erreicht haben. Und zwar auf dem Schlachtfeld, leider nicht auf dem Verhandlungsweg. Während Trump’s USA die Realitäten anerkennen, sind die europäischen Sponsoren des Krieges bis heute nicht zum kleinsten Einlenken bereit und noch weniger bereit oder intellektuell offen für das elementarste Verständnis der sicherheitspolitischen Bedürfnisse des Ostens dieser Welt.

Damit ist die Operation zu einem Krieg geworden, der die Welt aus den Fugen hebt. Denn am 4. Februar, am Rande der Olympischen Winterspiele in Peking, hatten Russlands Präsident Wladimir Putin und Chinas Präsident Xi Jinping einmütig erklärt, dass sie keine weitere Ausdehnung der NATO, sprich des Einflussgebietes Amerikas, akzeptieren würden. Somit ist es der 4. Feber 2022 und nicht der 24. Feber 2022, der den Eintritt in eine neue Epoche, die Epoche der multipolaren Weltordnung, markiert.

Im kleinen Südtirol überwiegt heute der Wunsch nach Frieden in der Ukraine. Ein gerechter Friede sollte es sein. Aber was ist ein gerechter Friede? In Südtirol lagen ab dem 24. Feber 2022 die Sympathien eindeutig und einseitig auf der Seite Kiews. Man war vom „Angriffskrieg“ der Russen geschockt, man stellte sich die Ukrainer als ein souveränes und nach Demokratie strebendes Volk vor, das brutal überfallen und massakriert worden war. Inszenierte Kriegsverbrechen wie in Butcha, ein Meisterwerk der britischen Propagandakunst, hatten eine unglaubliche Tiefenwirkung. Der böse, grausame Russe war wieder da – wie aus den Erzählungen der Großväter, die damals in der Wehrmacht bis vor Moskau marschiert waren und dann unter die erbarmungslose Walze der Russen kamen. Wieder kommt das Russentrauma der Europäer hoch: Der blutrünstige Diktator im Kreml (Putin wie Stalin) wolle wiederum zuerst die freie Ukraine auslöschen und dann ganz Europa bis zum Atlantik schlucken. So lautet das Narrativ in Berlin und Brüssel heute noch.

Weder für dieses nützliche Schauermärchen gibt es eine Grundlage noch für die Vorstellung von einer „Nation“ Ukraine, deren natürliches und heiliges Selbstbestimmungsrecht von den Russen und ihren Armeestiefeln zertreten würde. Die Ukraine ist ein Staatsgebilde in den Grenzen der Sowjetrepublik Ukraine, die mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1990 lediglich die Rechtspersönlichkeit geändert hat. Nie war diese De-Facto-Republik nach ethnischen und damit nach den Grundsätzen des Selbstbestimmungsrechtes der Völker gebildet worden. Rumänen im Süden, Moldawier und Ungarn im Südwesten, Polen im Westen, Litauer im Norden, Weißrussen im Nordosten und Russen jedweder (sowjetischer) Herkunft im Südosten: Krim, Lugansk, Donezk, Cherson usw., – die Krim sowieso ein territorialer Sonderfall. Nie seit 1991 war die Rede von einer Willensnation, welche das gemeinsame Haus dieser so unterschiedlichen Elemente hätte sein können.

Umso lauter und stärker hingegen machte sich der Nationalismus der Stammukrainer um Lemberg und Kiew bemerkbar. Ihr Nationalheiliger ist Stepan Bandera (1909-1959). Dieser politische Aktivist sah im III. Deutschen Reich den Hebel, um „seine“ Ukraine vom Joch Stalins zu befreien. Ein tragischer Irrtum. Doch während die Gestalt von Bandera in ihrer historischen Ummantelung Verständnis bis zu einem bestimmten Punkt verträgt, so gilt das keinesfalls für seine Anhänger, die heute unter schwarzroten Fahnen in der ganzen Ukraine die ethnische Säuberung von Russen begeistert vorantreiben und beklatschen. Die Durchsetzung dieser unechten, rein formalen und etatistischen Selbstbestimmung mit westlichem Geld, unserem Geld, kann es nicht sein. Auf dem Boden des Slawa-Ukraini-Nationalismus herrscht Hass, Egoismus und Unterdrückung, aber nie ein gerechter Friede.

Apropos Friede. Die Ukraine selbst hatte ja schon im April 2022 einen Frieden mit Russland ausgehandelt und stand kurz vor der Ratifizierung – sah ihn folglich als leidlich „gerecht“ an. Es waren ausländische Interessen, die den Frieden stoppten, weil man die Chance sah, ganz Russland in den schnellen und totalen Kollaps zu stürzen. Ein tragischer Irrtum. Dadurch hat der Westen, du und ich inklusive, bis heute das Leben von einer Million und fünfhunderttausend jungen Männern (allein auf ukrainischer Seite sind es geschätzte 869.000 zwischen Toten und Verwundeten*) für eigene Interessen in Rechnung stellen lassen. Ohne selber einen Kratzer abzubekommen.

Das Leben tapferer Männer ferner Länder wird weiterhin in Rechnung gestellt, wenn es nach der EU-Führung, Merz und Starmer geht. Vom Süden der EU fließen schon keine Gelder mehr und da ist man schon recht still geworden. Vom Norden kommt immer noch das große Geld fürs Morden. Das reicht, um von der Ukraine aus vereinzelt Raketenangriffe bis 1.400 km Distanz in die Föderation hineinzutragen. Dieses westliche High-Tech verändert das strategische Verhältnis nicht im Mindesten, es verlängert nur die Agonie. Ich hatte gedacht, 2026 würde Selenski fallen, aber gut, das Jahr ist noch jung. Wir werden allerdings 2027 noch einen fünften Jahrestag anhängen müssen, wenn die EU weiter macht wie bisher und die Russen ihre sprichwörtliche Leidensfähigkeit gleich wie die Chinesen ihre sprichwörtliche Geduld nicht urplötzlich verlieren.


*) Die Webseite mskvremya.ru führt Verlust-Statistiken tabellarisch auf. Ihnen zufolge seien, mit Stand 29. Oktober 2024, 869.295 ukrainischer Soldaten tot oder verwundet.