ÜBERDEMOKRATIE MACHT MÜDE

4. Mai 2025

Geringe Wahlbeteiligung ist ein Symptom für Überdemokratie.

Eine geringe Wahlbeteiligung ist kein Grund zum Verzweifeln. Ganz im Gegenteil. Nicht umsonst sind „bulgarische“ Mehrheiten gerade aus totalitären Staaten bekannt. In liberalen Demokratien ist die Wahlbeteiligung traditionell gering. Es stimmt einfach nicht, dass die Wahlbeteiligung ein «Gradmesser für die Demokratie» sei, also: geringe Wahlbeteiligung schlecht, hohe gut. Die Leute sind nicht dumm. Wenn es um die Wurst geht, sind sie da. Wenn etwas einerlei ist, dann rühren sie sich weniger.

Sorge macht mir das heutige Übermaß an Demokratie – genauer gesagt die Überorganisation des parlamentarischen Staates, wie sie in der heutigen Technokratie allenthalben zu beobachten ist. Das heißt, du kannst wählen, was du willst, es ändert sich nichts. So wie man im Tourismus von „Overtourism“ spricht, müsste man in der Politik von „Overdemocracy“ reden, von Überdemokratie.

Überdemokratie ist wie ein Linienbus

In unserer technokratischen, überorganisierten Welt ist die Demokratie ein Linienbus, in dem Fahrgäste sich darum streiten, wer den Bus fahren darf. Aber egal, wer ans Steuer kommt, die Strecke und die Fahrtzeiten sind vorgegeben. Jeder Fahrer muss die Maschine exakt so bedienen wie jeder andere auch. In so einer Demokratie werden die Wähler des Streitens müde. Entweder sie akzeptieren den Kurs, oder sie streiten = wählen nur mehr dann, wenn ein Fahrer den Ausritt ankündigt. Sagen wir, den Linienbus spontan nach Y fährt, anstatt nach X im Fahrplan. Dann würde sofort wieder wilde Bewegung in den Bus kommen.