Den richtigen Ton treffen.
Doch, das Gruber-Degasperi-Abkommen würdig zu begehen ist fein und richtig. Man muss deswegen nicht allen Stolz und genauso wenig alle Übel dieser Welt in den Anlass hineinpacken.
Die Selbstbestimmung als Prinzip und als Ziel hat nie ausgedient und muss nicht extra an diesem Tag dick unterstrichen werden (JWA).
Die Autonomiereform Meloni/Kompatscher mit Unterland-Effekt hart zu kritisieren ist richtig (Burggräfler Schützen), verdeckt an diesem Tag aber das heroische Ringen des besiegten Österreichs um seine Bevölkerung südlich des Brenners nach der Stunde Null im Jahr 1945.
Auf der anderen Seite ist es daneben, in salopper Verallgemeinerung davon zu reden, dass Maximalforderungen niemals funktionieren (R. Bauer, SVP) und die Südtirol-Autonomie deswegen so erfolgreich wurde, weil sie so zart und bescheiden begonnen hatte.
Komplett verdreht ist es, im Vorfeld dieses Tages darauf hinzuweisen, dass andere „deutsche Minderheiten“ ihre Heimat verloren haben, die Südtiroler aber nicht („Dolomiten“). Doch, fürs Bleiben unendlich dankbar, vor allem die Optanten unter uns. Das Verkehrte an diesem ahistorischen Satz ist, dass die von den Russen, Polen, Tschechen zu Millionen Vertriebenen Deutsche waren, zum Deutschen Volk gehörende, wie es am Berliner Reichstag steht, also keine „Minderheiten“, nein, Staatsvolk. Minderheiten wurden sie nachher. Ähnliches gilt für Österreich im Fall Kärnten, Burgenland, Steiermark. Beides ein gewaltiger Unterschied zu Südtirol.
Überschminkt und zugespachtelt ist Melonis Beschwörung der Autonomie samt Heiligsprechung Italiens. Gleich zu Beginn ihres Kommuniqués spricht sie davon, dass Südtirol „essenzielles Territorium“ für die Patria ist. Heißt, das geben wir nie wieder her (zu lesen in „Dolomiten“).
Gar nicht gefallen kann der von Gruber und Degasperi zu Hohm und Melanie gespannte Bogen an diesem Tag (Redakteur Hilpold, „Dolomiten“). Dazu ein andermal.
Am besten hat das Gedenken an den 5. September 1946 der Rolle hinbekommen (Chefredakteur der „Dolomiten“, im heutigen Leitartikel: „Wir sollten demütig und dankbar sein“). Gut, dass Südtirols Leitmedium in Südtiroler Angelegenheiten doch als verlässlicher Kompass taugt.
Titelbild von dege, als BP Fischer und MP Napolitano die Autonomie im Kurhaus von Meran feierten.