Österreichs Vermächtnis für Südtirol.
Am 5. September 1946 kam es zur Unterzeichnung des Gruber-Degasperi-Abkommens, das als „Anlage“, also Fußnote in den Friedensvertrag der Alliierten aufgenommen wurde.
Man kann Nachkriegs-Österreich und seinem ersten Außenminister, dem Tiroler Karl Gruber, nicht dankbar genug sein, für diese letzte Heldentat des vormaligen Vaterlandes, in einer aussichtslosen Position wenigstens die grundlegendsten Rechte des verlorenen Tiroler Kernlandes geschützt zu haben, allen voran die Muttersprache und das Recht auf Rückkehr der Optanten in die Heimat. Mehr war einfach nicht drin, damals, ein gutes Jahr nach dem – aus deutscher und Wiener Sicht – totalen Zusammenbruch von 1945.
Auch dem in Bozen ungeliebten Alcide Degasperi gebührt Anerkennung. Als junger Mann saß er bereits als Welschtiroler Abgeordneter Nationalrat in Wien und im Tiroler Landtag zu Innsbruck. Degasperi war ein echter Österreicher italienischer Zunge, kaisertreu, aber mit dem klaren und durchaus ehrenwerten Bestreben, für seine italienische Heimat das Maximum herauszuholen. Dieser Degasperi wird wegen des ersten Autonomie-Status gescholten, als er mit der Majorisierung der Italiener faktisch den Pariser Vertrag aushebelte. Um das Bild nicht zu verzerren, muss man sich nur vorstellen, was aus der Pariser Fußnote geworden wäre, wenn an seiner Stelle 1948 ein Kreidefresser-Faschist Ministerpräsident gewesen wäre.
Nicht zuletzt ist einzelnen britischen Diplomaten Dank zu sagen, die die wiederholte Abtretung eines wesentlichen Teils Österreichs an Italien nicht ohne diese Mindestreserve durchgehen ließen.
Trotz aller Dankbarkeit und in vollem Bewusstsein der vorteilhaften Wendung, die diese Not-OP im Verlauf der Geschichte genommen hat, ist es doch etwas sonderbar, wie stark diese Pariser Fußnote zum 80. Jahresjubiläum glorifiziert und in Honig getaucht wird. Nicht die Feier und das Andenken selbst sind zu beanstanden, nur das Selbstlob und der ideologische Weihrauch, der rundum die exakten Konturen verwischt und die Sinne benebelt.
Die Folgeprodukte des Pariser Abkommens und vor allem die Wirtschaftswunderjahre, welche die politischen Geister besänftigen konnten, das sind keine Automatismen und gar nichts Selbstverständliches, nichts, was die Pariser Fußnote hätte garantieren können. Es ist unsichtbarer Kampf, jeden Tag seitdem.
Der Pariser Vertrag an sich ist die bittere Lehre, an welchem Tiefpunkt Humanität wieder von vorne beginnen muss, wenn ein Tsunami von Selbstüberschätzung, Hochmut und Kriegswahnsinn alles in Schutt und Asche legt. Wiederholung nicht ausgeschlossen.
Die KI von Google bringt den Pariser Vertrag in traute Gemeinsamkeit mit dem Kondom, auch ein Schutz.