SIEDLUNGSPLANUNG NEU DENKEN

17. Dezember 2025

Wie leistbares Wohnen von der Politik verhindert wird.

Im gestrigen Beitrag „Leistbares Wohnen – das Problem“ haben wir festgestellt, dass der private Wohnungsbau in Südtirol sofort imstande wäre, die nötige Masse an Wohnungen zu bauen, um das Problem „Leistbares Wohnen“ zu lösen. Auch gäbe es die Möglichkeit, den öffentlichen Wohnbau neu und radikal aufzulegen, etwa nach dem Vorbild der historischen INA-Casa. Doch die Politik greift nicht durch.

Das Grundübel bleibt: Es ist die staatliche und landesverwalterische Überregulierung, der raumordnerische Verbotsfilz und das überbürokratisierte Beitrags- und Gesuchswesen. Wie sehr der Fisch vom Kopf her stinkt, offenbart das Südtiroler Landesgesetz ‚Raum und Landschaft‘ allein schon in seinen Grundsätzen. Vom Blabla-Ballast befreit lautet die Maxime, über die Theiner und Zerzer fünf Jahre lang brüten durften: „drastische Einschränkung des Verbrauchs von Boden“, „Vermeidung des motorisierten Individualverkehrs“ (Art. 2) und „kompakte Siedlungen“.

Drei von purer Ideologie vorgegebene Zielsetzungen der Heimatvernichtung. Kompakte Siedlungen hat man am romanischen Nonsberg, aber nirgends in den bajuwarisch geprägten Streusiedlungen Südtirols. Sie müssten erst künstlich geschaffen werden. Eine Einschränkung des automobilen Verkehrs würde das Land und das Leben auf dem Berg abtöten, auf das wir so stolz sind; und wie steht es mit einer „drastischen“ Einschränkung des Bodenverbrauchs? Dazu besteht überhaupt kein Grund und kein Anlass.

Von der Gesamtfläche Südtirols sind bisher nur maximal 5% besiedelt, Kulturgründe eingeschlossen. Ca. 34 % Südtirols sind Almgebiet, die reine Weidefläche beträgt über 70.000 Hektar. Die Hälfte der Gesamtfläche Südtirols ist Wald oder bewaldet, der Rest Hochgebirge. Raum in Hülle und Fülle für technologisch innovative Siedlungsflächen.

Siedlungsbild vom Schlern aus (2011)

Bei 10% Besiedelung gäbe es immer noch 90% „unberührte“ Natur, Almen, Wald und Fels genug für den ganzen Wasserhaushalt des Landes. Um seinen Druck in Richtung Kleinklein zu rechtfertigen, rechnet der lokale Gesetzgeber die verfügbare Siedlungsfläche künstlich klein und fantasiert von 1.000 Einwohner/km², die wir „eigentlich“ haben. Nein, real sind 72. Der Trick (oder Fehlschluss) besteht darin, den Wald toto generis zur „unbesiedelbaren Fläche“ zu erklären.

Es mag sein, dass „99% der Waldfläche hydrogeologisch vinkuliert“ sind und folglich eine aktuelle Nutzungsbeschränkung vorliegt. Aber das ist nur normativ, und eben ein Teil jener Überregulierung, die das Atmen und Arbeiten in diesem Land langsam unmöglich macht. Es liegt an der Politik, zu deregulieren – aber was soll man hoffen, wenn die so grün und woke ist wie ihre Texte?

Fortsetzung morgen: Mein VWB-Modell.