Das ist der Vinschgau heute. Alles Apfel, nur keine Schnellstraße.
Als die vierspurige Schnellstraße Meran-Bozen (MEBO) nach zähem Widerstand der Grundstücksbesitzer endlich da war, das war 1997, ging ein kollektiver Seufzer der Erleichterung übers Land. Die Dörfer wurden befreit, es war nur mehr ein Katzensprung nach Bozen. Jeder konnte fahren wann und wie oft er wollte, ohne Fahrpläne studieren zu müssen. Diesen MEBO-Moment hätten die Vinschger und die Pusterer ausnutzen sollen.
Doch bis zum heutigen Tag und noch lange in die Zukunft hinein sind der Vinschgau und das Pustertal, diese beiden herrlichen Schwingflügel unseres kleinen und immer noch schönen Südtirol, in einem verkehrstechnischen Murks gefangen. Die Gründe und was zu tun wäre, habe ich des öfteren besprochen und komme darauf zurück. Wieder einmal habe ich das „Venusta vallis“ (lat. ‚Schönes Tal‘) besucht und entsetzt auf die Schutt- und Betonwüste bei Galsaun gestarrt. Nach Naturns, Staben und Kastelbell die vierte, hunderte von Millionen Euro schwere Tunnelumfahrung von Dörfern und Dörfchen.
Dieser Tage war der Provinzlandesrat für Verkehr bei den Vinschger Gemeinderäten und hat sie noch einmal auf den Ausbau des Eisenbahnzuges mit elektrischem Antrieb eingeschworen, als Lösung für den Vinschgau – eine vollkommen unwirksame und kostspielige Verkehrspolitik. Es war ein wacher Gemeinderat, ein ausgewiesener Nicht-Bürokrat, der eine freie neue Trassenführung der Staatsstraße im Bereich Schluderns Mals vorschlagen musste. Ein Befreiungsschlag, wenn man bedenkt, dass ein weiterer pharaonischer Tunnelbau in Rabland ansteht und weitere Kleingemeinden sicher auch gerne eine solche Opera auf Steuerzahlers Kosten hätten.
Ja, würde einer sagen, auf diese Weise kommen wir dann doch zu einer MELA (Meran-Landeck) – ein passender Name übrigens für das Apfelreich der Vinschger Hektarbarone. Nein, der Wahnwitz will es, dass sie bei Tschars einen Zebrastreifen über die Fahrbahn der Überlandstraße (samt Fußgängerampel) gemalt haben, gleichsam um den Überlandverkehr den Stinkefinger zu zeigen.
Teure Umfahrungen hier und Zebrastreifen dort – man will verkehrstechnisch im Murks ersticken. Dabei schaut Euch dieses Bild oben an. Es zeigt den Vinschger Talboden von Laas bis Tschengls. Hätte hier – neben der zum Kanal verengten Etsch – nicht auch eine MELA Platz? Leicht sogar.