Die Skandaljournalisten Christoph Franceschini und A. Oberhofer sind Südtirols Max und Moritz.
Beide waren junge Draufgänger, als sie 1996 unter dem Schirm von Lentsch, Boato und Tribus die ‚Neue Südtiroler Tageszeitung‚ (TZ) zum Laufen brachten. Und das wie! Oberhofer (in Arte Arob) mit seinen BILD-triefenden Gerichtschroniken und Ganoven-Geschichten, der CF (aka Zucco) mit seiner akribischen und wirkungsvollen Wühlarbeit, deren Krönung die Entschleierung der Machenschaften rund um die Vergabe von Kraftwerks-Konzessionen («SEL-Skandal») war. Später ist der Arob Redaktionschef in der Silbergasse geworden (Sitz der TZ) geworden. Der Christoph seilte sich, nur um zwei Sabbatsjährchen später bei SALTO aufzutauchen, der digitalen Konkurrenz zur behäbig gewordenen, nicht mehr ganz so neuen TZ von Herausgeber Arnold Tribus.
CF macht bei SALTO da weiter, wo er bei der TZ aufgehört hatte: den Mächtigen und Möchtegerns ordentlich auf den Sack zu steigen. So gelingt es Franceschini, mit Gerhard Gruber einen fast schon sicheren SVP-Bürgermeister-Kandidaten für Meran unmöglich zu machen. Der besagte Herr war nicht irgendwer. Gruber war auf dem Schachbrett der Landes-SVP so etwas wie Reiter und Turm in Einem. Doch am liebsten beißt sich der Franceschini die Zähne an der Athesia aus. Seit immer schon hat er ihre beiden Chefs, die Gebrüder Michl und Toni Ebner, im Visier. Stich ist ihm aber noch keiner gelungen. Doch ein Terrier gibt nie auf.
Der Audio-Streich
Trotz beruflicher Rivalität und getrennter Zeitungsfahne finden die beiden wieder zusammen, zu einem neuen Streich, versteht sich. Irgend jemand spielt den beiden Kollega Audio-Dateien zu. Es sind Abhörprotokolle von einem abgeschlossenen Gerichtsverfahren. Tausende Telefongespräche von Unbeteiligten in der Causa liegen offen vor ihnen. Max und Moritz alias Franceschini und Oberhofer sehen ein Fressen, das für zwei reicht, ja, für «mehr als zwei», würde Arob sagen. Denn in den Gerichtsprotokollen kompromittieren sich Leute von ganz oben auf den Rängen der SVP und der feinen Gesellschaft.
Die Säge gezückt, die Federn gewetzt, schreiben die beiden ein Buch. «Freunde im Edelweiß» nennen sie ihr Schelmenwerk. Und hängen digitale Audio-Datein dran, die schmackhaftesten nur, und setzen diese bei der Vorstellung des Buches ins Netz. Ganz Südtirol hört am Smartphone in die Audiodateien hinein. Es sind Telefonmitschnitte, die in früheren und kultivierteren Zeiten streng unter das Briefgeheimnis gefallen wären. Entsprechend offen spricht die Elite Südtirols im trügerischen Glauben, ihr Gespräch fände unter vier Augen statt. Die Veröffentlichung von «Freunde im Edelweiß» hat die Sprengkraft einer Bombe.
Wehe, wehe
Das Material hatten die beiden Spitzbuben von jemand zum Zwecke des Zweckes erhalten. Die angesägte Brücke für den hageren Lehrer Lämpel war ein Kinderbuch dagegen. Eher war es der tödliche Hühnerspagat wie bei der Witwe Bolte. Was bezweckten unser Max und Moritz mit dem Buch? Die Veröffentlichung sollte wohl den SVP-Landeshauptmann Arno Kompatscher aus der politischen Umklammerung befreien. Seine internen Widersacher waren mit den Audio-Dateien geliefert. Das Bubenstück gelingt.
„Aber wehe, wehe, wehe,
Wenn ich auf das Ende sehe!!
(W. Busch)
FORTSETZUNG FOLGT.