Was du so zu lesen, hören und sehen bekommst. Ein Sushinterview.
Kennst du den Sushi-Stand mit den köstlich bunten Happen?
Meinst du den im Supermarkt?
Ja, genau den.
Weißt du, ich reiss’ mich nicht um Sushi.
Offensichtlich bist du nicht allein.
Wie willst du das wissen?
Naja, früher war der Stand ganz hinten beim Fleisch. Jetzt ist er ganz vorne bei den Kassen.
Naa, die arbeiten gut und wollen den Kunden nur die Rennerei ersparen.
Ich denk, die haben zu wenig Kunden. Die haben sich wie die Süßigkeiten nach vorne an die Kasse gestellt. Schauen und kaufen.
Mah, ich weiß nicht. Vielleicht ist kalter Reis und roher Fisch einfach nicht der Renner im Land der Knödel und Spaghetti.
Frag doch mal nach!
Wen? Die hinterm Tresen?
Ja, die oder die Geschäftsleitung vom Markt. Mach ein Interview! Sogar eine Reportage könnte das werden.
Geh, was meinst denn du, was die mir sagen? Dass ihre Umsätze so klein sind wie Sushi-Bällchen? Das sagen sie sicher nicht.
Jaja, aber du könntest dort warten und Verkäufe zählen, und das mit ihren Aussagen abgleichen.
Haha. Und wer zahlt mir die Zeit und den Aufwand? Weisst du, wie wurscht es den Leuten ist, was der Sushi-Stand für Umsätze macht?
Wäre doch interessant, zu erfahren, wie sich die Essgewohnheiten ändern, meinst du nicht? So was lese ich immer gerne in der Zeitung.
Und du meinst, die servieren dir täglich Sushi frisch? Die müssen auch schauen, was vermarktbar ist.
Willst du mir sagen, in den Medien steht nur, was Kohle bringt?
Oder was schon bezahlt ist. Schau, die «Zeitungen» – und damit meine ich alles, was schreibt, redet, funkt und ploppt – sind ein Mischgeschäft aus Wahrheit, Luft und Werbung. Gerade die bezahlten Stücke („gesponsert“) werden gerne als Interviews verkleidet. Da bekommst du nur zu hören, was der Interviewer will, dass du hörst. Bei den Fragen fängt der Fake schon an.
Das ist ja niederschmetternd.
Klingt so, ja, doch so schlecht ist alles nicht. Am Ende setzt sich das gute Sushi durch, denn jedes Blatt und jede News-Marke wird von den Lesern auf Dauer nur genutzt und gekauft, wenn der Fisch echt und frisch ist. Will sagen, der Kunde ist nicht blöd und er ist König.
Aber der große öffentlich-rechtliche Rundfunk, der ist doch frei vom kommerziellen Druck?
Ja, vom kommerziellen schon. Aber den ÖRR kauft sich die Politik, und das in großem Stil. Die meisten Leute checken das gar nicht. Und die Empfänger, die wählen wollen, können nicht. Jeder muss die Rundfunkgebühr blechen, auch wenn man gar kein Sushi eingekauft hat.