PASTASCHUTTA

25. November 2025

Von Nudelglück und nationaler Eifersucht.

In den Weihnachtsferien beim Schikurs gab es zu Mittag im Gasthaus einen Teller Pastaschutta. Wir Kinder waren glücklich. Pastaschutta macht glücklich, weltweit. Kein Grund für Gastro-Natis (man lese: nazis), daraus einen Heiligenschein für das nationale Italien zu machen, magari noch im Dreiklang von Makkaroni, Mafia und Mussolini. Das wahre Italien hat sich Besseres verdient.

Pastaschutta ist ohne Zweifel ein „Glanzstück der italienischen Küche“, wie jemand kürzlich meinte, aber nationales Erbgut ist es keines. Den Hartweizen haben die Berber Nordafrikas über das arabische Sizilien beigesteuert, die Tomaten kommen von den Indios Mittelamerikas, das Kochen von Nudelteig in Wasser haben die Völker des Tibet weiter gegeben, die Griechen haben das Gericht nach Italien exportiert und den Etruskern gezeigt, wie man „Laganon“ (Lasagne), „Paste“ (Pasta) und „Makaria“ (Maccheroni) macht.

Außerdem kann man Pastaschutta technisch problemlos auf der ganzen Welt nachmachen. Das ist ja der Grund, warum die Nati-Italiener so gereizt auf Nachahmungen antworten.

Zum Schluss noch: „pasta asciutta“, bedeutet trockene Pasta und ist damit ein Paradoxon ähnlich wie ‚trockener Wein‘ – beide nass und alles andere als trocken. Trocken wurde der in Streifen geschnittene, in Wasser gekochte und abgeseihte Teighaufen genannt, weil nur die Reichen es sich leisten konnten, das Nudelwasser wegzuschütten und die Pasta mit gehaltvollem Fleisch anzureichern. Die Armen mussten die Nudeln mit und in der Brühe verzehren. Und was die Reichen und Schönen machen, das wird immer kopiert. So kam es im Zeichen des Nachkriegs-Wirtschaftswunders um 1960 zur Pastaschutta für alle (und wir sind wieder am Anfang dieser kleinen Geschichte).