So nennt man die Anguillotti, den marinierten Aal aus Comacchio, bei uns.
Die Anguilla ist der Aal. Ein begehrter Speisefisch, sowohl in nordischen wie in südlichen Ländern, und er ist vom Aussterben bedroht. Deshalb ist der Fang des Aals in der EU seit 2024 verboten, mit geringen Ausnahmen für kommerzielle Verwertung und Genuss.
Der Fisch oder die Anguilla (das ist ihr Gattungsname nach Linné) ist ein geheimnisvolles Wasserwesen, das zwischen Süß- und Salzwasser wechselt, und über das man Vieles erst kürzlich entdeckt und Vieles noch gar nicht sicher weiß. So z.B. Hat Sigmund Freud erst 1877 entdeckt, wie sich der Aal fortpflanzt.
Der Wechsel vom Habitat im Süßwasser in das Salzwasser des Meeres zum Laichen lässt den Aalfang besonders in Flussmündungen und Lagunen gelingen. In Norditalien ist deshalb auch das Delta des Po und die Lagunen entlang der Küste des Veneto das Hauptfang-Gebiet der Anguilla und folglich auch jenes der kulinarischen Zubereitung.
Unverzichtbar in jedem italienischen Lebensmittelladen seit jeher ist die große, eher flache Blechdose mit den in Essig gelegten, gebratenen Aalen in der s-förmigen Windung. Diese „Anguillotti“ gelten als Spezialität, obwohl das weiße, zarte Fleisch praktisch zu Tode gebraten und in Essig versauert ist, und obwohl der Anguillotto, kleine Aal, mit Haut und Knochen angeboten und verspeist wird.
Heute kennen nur mehr die Alten diesen etwas eigenartigen Genuss. Der im Übrigen von einem fürstlichen Preis von 70 Euro das Kilo im Zaum gehalten wird.
Notizen
Wer bei Slow Food nachlesen will, wie die traditionelle Herstellung (Fang und Zubereitung) der marinierten Anguilla von Comacchio geht, hier der LINK
Übrigens hat sich das Wort „Anguilotti“ (mit einem l) auch in der bayerischen Sprache heimisch gemacht (Bayerische Akademie der Wissenschaften) (Feinkost Schwingenstein).
In Lana kann man die „Ongalotti“ am Gries an der Gampenstraße bei Despar Pircher (nur noch kurze Zeit) oder beim Gourmetladele (um die Ecke beim Pircher) bekommen.
Im Titelfoto hält Liesi vom Despar Pircher freundlich die sauren Aale in die Kamera. Vielen Dank.
Der deutsche Wikipedia-Eintrag zu „Aal“ ist kurz und passabel, aber der italienische Wikipedia-Eintrag „Anguilla anguilla“ ist ein Wunderwerk. So viel, so tief, so kundig: Kompliment!