Hoher Bauernfeiertag. Was Martin mit dem Gansl zu tun hat.
Am 11.11. ist Martini, das Fest des Heiligen Martin. Die Kinder ziehn mit ihren Lichtlein in der Dämmerung los und singen das Laternenlied. Rabimmel Rabammel Rabumm. Den ganzen Morgen über war in Girlan und in Mortin af Psayr reges Treiben auf dem Martinimarkt. Martini, ein alter Zahl- und Lostag, an dem das wenige flüssige Geld Besitzer wechselte und oft sofort in anderes Flüssiges verwandelt wurde. Da passt es gut, dass der süße Trauben und Äpfelmost inzwischen zu Wein geworden und die ersten Hausschweine schon geschlachtet waren. Bei den Langobarden in Maienland gibt es zu Martini die Cassoeula mit Schweinsohren, Ringelschwanz, Schwarte, Zamperln und Wirsing, wir Tiroler halten uns eher an Blutwürste und Gebratene Keschtn. Ein weiterer Ess-Brauch, der von keltischen Landen zu uns herschwappet, ist das Martinigansl. Ganz was Feines.
Die schneeweise Hausgans bezeichnete seit Alters her den Beginn des Winters. Auf der Höhe ihres angefressenen Sommerfettes wurde sie zu Beginn der kalten Zeit feierlich zubereitet und verzehrt. Umso freudiger, als nach Martini die vierzigtägige Fastenzeit bis Weihnachten beginnt (nur mehr in der Ostkirche beachtet).
Der Heilige Martin, der ein Römer war so wie der Jannick Sinner ein Italiener ist, hat auch mit einer Gans aufzuwarten. Der aus dem keltischen Pannonien stammende Kavallerist, dem sein Offiziersvater den Namen „Kleiner Kriegsgott“ (Martinus, von Mars) gab, hatte sich bei Stammesbrüdern in Südfrankreich niedergelassen. Die wollten ihn zum Bischof machen, also zu ihrem Vorsteher, da er es mit den römischen Verwaltungsbeamten gut konnte. Und es ging die Rede, dass er ganz fest zu seinen keltischen Landsleuten hielt (Kern der Mantel-Legende).
Martinus war vom Typ her aber ein Quer- und Einzelgänger. Nie hätte ein römischer Legionär oder Equites seinen Pupurmantel entzwei geschnitten für einen armen Kelten am Wegesrand. Einen Luis Durnwalder mit Mütze wollte er aber doch nicht geben, und so versteckte sich der kleine Kriegsgott im Stall. Er wurde aber von seinen eigenen Gänsen mit viel Fauchen und Schnattern verraten. So steht die Gans, ein den Kelten heiliger Vogel, untrüglich an der Seite eines falschen Römers und richtigen Heiligen.