Über eine Wurst, die nicht aus Südtitalien kommt.
Zur Etymologie von Lana (früher «Lugugnan») habe ich die Stadt Lugano im Tessin gestellt. Was mir noch an Wortähnlichkeiten mit Lugano in den Sinn kommt, ist die «luganega» (die Luganesische).
So nennen die Italiener ihre frische Schweinswurst (und unsere «Hauswurst»). Dabei unterliegen die Nationalfeinschmecker einem semantischen Irrtum, indem sie diese Wurst aus Lukanien kommen lassen. Die Lukaner waren ein antikes Volk, ewige Feinde Roms, in der heutigen Basilicata. Ihr Name stammt, wie sie selbst, aus Griechenland.
Die Gastro-Bibel «LA CUCINA ITALIANA» sagt (am 3. September 2024):
«La luganega (detta anche luganiga o luganica) è un insaccato fresco lungo, stretto e arrotolato “a chiocciola” particolarmente diffuso nel Nord Italia. Se, come ci fa intuire il nome, l’origine è lucana e di epoca romana (buongustai gli antichi!), oggi è particolarmente rinomata quella di Monza … La luganighetta e le luganighe de Cragno sono due varianti che troviamo rispettivamente nella Svizzera italiana e in Slovenia: globalizzazione gastronomica ante litteram, il made in Italy viene esportato da sempre.»
Der Gastrofaschismus macht selbst bei der kleinsten Wurst nicht halt. Selbstverliebter Größenwahn. Möchte wissen, welchen Grund die Kelten, Langobarden und Slawen am Rand der Alpen gehabt haben sollten, sich frische Schweinswürste ausgerechnet aus dem heißen Süden Italiens abzuschauen.
Die Luganega ist in Lugano und im Keltenland zuhause seit immer. Die Wortendung ist übrigens genuin keltisch. Die Kelten sind die Herren der Schweine par excellence (eigener Aufsatz folgt).
Außerdem verrät ein volkstümlicher Name der Luganega noch besser die nordische Herkunft – sie wird in der Lombardei nämlich auch «Longaniza» genannt, die Lange: Klar, denn es wird der ganze Darm ohne Abbinden in einem Mal gefüllt und die Wurst in Schneckenform aufgerollt.
Sprach- und volksgeschichtlich ist es umgekehrt nicht ausgeschlossen, dass die Lukanier in Südtitalien eingewanderte Kelten (Galater) sind und die Wortwurzel «Luk» tatsächlich keltisch ist und somit eng verknüpft mit Namen wie Lugano, Lukan, Lukian, Lukas, Lucius usw. bis herauf nach Lugugnan, Lugaun (Laugen) und Lagaun.