LEISTBARES WOHNEN – DAS PROBLEM

16. Dezember 2025

Der Frust über teures Wohnen ist groß. Man hat den Eindruck, dass die Politik wenig ausrichtet. Warum?

Seit Jahrzehnten geistert der Begriff „Leistbares Wohnen“ herum. Die Politik arbeitet, aber man hat den Eindruck, dass alle Bemühungen nichts fruchten. Wohnen ist und bleibt teuer.

Der Frust über teures Wohnen hängt auch mit der mangelnden Begriffsschärfe zusammen: Was ist „leistbares Wohnen“ überhaupt? Die Politik mag keine genauen Definitionen, sonst würde sie den Bürgern klare und genaue Antworten liefern müssen. Sicher ist nur Eines: Gäbe es die Überregulierung durch die Politik nicht, dann wäre Wohnen überhaupt kein Problem – auch Leistbares. Warum bleibt dann alles beim Alten und die Korrekturen nur am Rande?

Versuchen wir von der Bande her einen neuen Dreh in die Sache zu bringen.

Zunächst einmal Durchatmen. Viel weniger Leute in Südtirol als gedacht brauchen leistbares Wohnen, weil sie schon leistbares Wohnen haben. Drei von vier Familien haben Besitz und Wohnraum für Generationen. Eigenheime, und die nicht zu klein, Bauernhöfe, Zinshäuser im Familienbesitz, Zweitwohnungen, Ferienhütten, ersessene Sozialwohnungen. Weniger begünstigt sind Einwanderer und solche, die nur zeitweilig im Land leben wollen wie auswärtige Arbeitskräfte oder Studenten. Zach kann es farbige Hilfskräfte treffen, die kein Vermieter auch nur anschauen will. Aber sie sind es nicht, welche die Schlagzeilen zum „leistbaren Wohnen“ produzieren.

Das Problem „leistbares Wohnen“ kommt vom unteren Mittelstand her, der zu wenig Manövriermasse hat. Ein Beispiel: Eine Arbeitnehmer-Familie mit zwei Einkommen und zwei erwachsenen Kindern hat ihr Eigenheim abgezahlt. Die ältere Tochter ist zu ihrem Freund gezogen, der in der Stadt eine Eigentumswohnung hat. Der Sohn wohnt noch bei Mama und Tata, möchte aber längst schon ausziehen. Ihm nutzt es nichts zu wissen, dass eines Tages die Hälfte des Eigenheims ihm gehören wird. Die Eltern haben eine Lebenserwartung von noch locker zwanzig Jahren. Bis dahin möchte der Sohn selbst schon wenigstens ein halbwegs erwachsenes Kind haben. Ein langfristiges Programm für sein Eigenheim bringt es nicht, da irgendwann doch das Erbe anfällt. Er muss bei den Eltern bleiben. Wir haben hier ein Flaschenhals-Problem, kein grundsätzliches. Jetzt bräuchte es recht unbürokratisch eine Mietwohnung auf Zeit zu einem vernünftigen Preis. Doch der Mietmarkt ist so gut wie tot, und die wenigen verfügbaren Mietwohnungen sind unerschwinglich.

Warum ist das so? Vor Jahren hat der von der Staatsanwaltschaft Trient (übrigens zu Unrecht) verfolgte Bauinvestor Hager angeboten, 5000 Wohnung in Bozen zu bauen. Man möge ihm nur die urbanistischen Voraussetzungen schaffen – also das politische Regelwerk anpassen. Seitdem herrscht Schweigen im Walde. Und das sagt viel aus. Ein weiterer Grund für die Mietmisere sind die überzogenen staatlichen Mieterschutz-Bestimmungen, die freien Mietraum blockieren, weil sich die Vermieter selber schützen müssen. Und es gibt andere Gründe mehr, warum Mietwohnungen rar sind. Angeblich soll es zu wenig Siedlungsraum geben, sagt das Raumordnungsgesetz des Landes Südtirol. Das ist objektiv falsch (siehe eigener Beitrag).

Es ist vielmehr so, dass der Staat sehr effektiv eingreifen kann, wenn der private Markt außer Reichweite ist. Entweder durch Deregulierung, dass sich der private Markt entspannen und ausbreiten kann (dazu später), oder durch gezielte, auch radikale staatliche Eingriffe, wie das zum Beispiel die berühmte INA-Casa im Italien der Nachkriegszeit bewies. Nach dem Vorbild INA-Casa könnte das Land Südtirol spielend 5.000 frugale Mietwohnungen in allen größeren Siedlungen bauen lassen und weit unter Marktpreis auf Zeit vermieten. Dies würde den oben beschriebenen Flaschenhals sofort eliminieren und insgesamt ihr nicht mehr kosten als dreimal die Tunnelumfahrung Kastelbell-Latsch.

Fortsetzung morgen: Wie sehr das Land bei der Siedlungspolitik auf dem Holzweg ist.