KRIPPE KOMET KINDSTÖTUNG

25. Dezember 2025

Die Weihnachtsgeschichte einmal ganz unkirchlich gesehen.

Es ist schon einmal eine Sonderstellung des Christentums, dass es sein geistiges und geistliches Vermächtnis in einer großen Reihe von Erzählungen und Geschichten aufbewahrt und weitergibt. Diese sind der Form nach Sagen und, ja, auch Märchen, aber im guten Sinn. Diese Geschichten, biblisch und evangelisch, erlauben es, eine Ideallinie zwischen theologischer Substanz und pädagogischer Anschauung zu fahren.

Jedes Jahr zu Weihnachten ergreift das Schicksal der Kleinfamilie Maria, Josef und Jesus die Herzen der Gläubigen in den katholischen Ländern. Die Nordlichter halten es mehr mit der Lichtgestalt Sankta Lucia (13. Dezember) und dem Geschenkebringer Santa Klaas vom Nordpol (24./25. Dezember).

Tiefer und reifer ist die Geschichte der Familie und ihres Kindleins Jesus. Ganz unkirchlich betrachtet ist es eine folkloristische, hellenistisch-römische Romanze. Der politische Kontext wird ja immer wieder eingeblendet, von der Steuerzählung des Augustus bis zum Händewaschen des Pontius. Es ist so, als ob eine städtische Elite ihren didaktischen Kosmos der guten und der bösen Triebe und Schicksale des Menschen auf einen bilderreichen, orientalischen Schauplatz verlegen wollte. So ähnlich, wie die europäischen Fürstenhöfe im 18. Jahrhundert die Legenden um den edlen Wilden aus Amerika gebaut haben, um Unschuld und das ursprüngliche Leben in der Natur zum neuen Gott zu erheben. Dieser gute „Indianer“ musste halt weit weg sein vom Alltag, damit seine wohltuende Wirkung auf Kinder und Geister nicht durch verstörende Erkenntnisse aus der rauen Wirklichkeit (ranziges Büffelfett zum Beispiel) gestört werde.

Im Unterschied zum Santa Claus und zum Indianer ist die Geschichte der Heiligen Familie –  immer bei Ausschluss des konfessionellen Kontexts – eine ungleich bessere, erhabenere und zu Herzen gehende Geschichte: Josef, der weiß, dass er nicht der leibliche Vater ist, und dennoch zu seiner Braut und zum Kind steht; die materielle Bedrängtheit im Stall, die dem Lebenswillen der kleinen Handwerkerfamilie überhaupt nichts anhaben kann; die Engel, die das einfache Volk (Hirten) zu überirdischen Erkenntnissen führen, während die Weisen sich vom Kometen führen lassen und der grausame Herodes die drei Könige wie Geheimdienste nutzt, um seine Massenkindstötung ins Werk zu setzen. Bethlehem ist übrigens nicht weit entfernt von Gaza. Die Kleinfamilie muss nach Ägypten flüchten, um dem Massaker zu entgehen.

Weihnachten und Friede? Nicht mehr als eine Verheißung mitten in einer grausamen Wirklichkeit. Und hätte es nicht die Engel als Einsager der Guten gegeben, hätte das Böse womöglich wieder triumphiert. Man sieht, zweitausend und fünfundzwanzig Jahre ändern nichts an der Wahrheit der Welt. In der Weihnachtsgeschichte von der heiligen Familie ist sie wunderbar erzählt. Und wenn der Glaube an Gott dazu kommt, ist sie ein wahrer Segen. Glückwünsche zum Kind, das die Welt erlöst! Wir hoffen weiter.

Krippe ist Orient (ierung)