ETYMO AM SAMSTAG | SULZER

Samstag 25. Juli 2026

Don Giuseppe Giorgio Sulzer

Noch ein Keltomane!

Den berühmten „Celtenthum“-Forscher Graf Benedetto Giovanelli haben wir in dieser Folge von ETYMO bereits kennengelernt. Heute kommt ein weiterer „Keltomane“ hinzu, wieder aus dem geistlichen Stand wie Pater Sebastian Heinz und wieder ein Welschtiroler wie der Graf. Der Kirchenmann Sulzer ist der zeitgenössischen deutschen Presse wie folgt in Erinnerung geblieben:

(Literarisches.) Prof. Jos. Sulzer in Trient hat im Verlaufe seines langen thätigcn Lebens unter anderm auch ein Werk „Dei dialetti comunemente chiamati romanici“ veröffentlicht. Ob dasselbe bei den Gelehrten in Tirol großen Anklang gefunden, ist fast zweifelhaft. Jüngst aber kamen aus Deutschland so ergiebige Bestellungen auf vorgenanntes Werk unsers Landsmannes, daß der ganze Vorrath von Trient nach Leipzig geschickt wurde.

aus: TIROLER TAGBLATT 9. April 1867, abrufbar hier

Wieder einmal ein Fall von Nemo Propheta in Patria (zuhause gilt man nichts, auswärts hat man Propheten-Status). Das genannte Hauptwerk ist in der digitalen Bibliothek Tessmann, Bozen, abrufbar.

Sulzer, Giuseppe Giorgio

Dell’origine e della natura dei dialetti comunemente chiamati romanici: messi a confronto coi dialetti consimili esistenti nel Tirolo

VERLAG Perini, Trento, 1855

Sulzers umfangreich belegte These:

„[…] dialetti volgari del Tirolo italiano […] e di confrontarle colle celtiche, le quali senza dubbio lor servono di base” (Digitalseite 8/338)

Auf der Suche nach den Spuren des geistlichen Professors Joseph Georg Sulzer – er war „in Trient Domchorregent und zugleich Professor der Katechetik und Methodik und Katechet an der Normalschule dortselbst“ –  kommt heraus, dass es im Feld der Sprachforschung des 19. Jh. erhebliche Unterschiede zwischen den deutschen und den italienischen Tirolern gegeben hat. 

Ludwig von Lutterotti zeichnet diese Unterschiede in einem 1878 erschienenen Aufsatz zur Würdigung von Graf Benedetto („Ein tirolischer Archäologe“) nach.

„[…] in der That fehlte es dem Lande auch nie an tüchtigen Fachmännern. Wenn diese Studien früherer Zeit wenigstens mit mehr Eifer in Welsch- denn in Deutsch-Tirol betrieben wurden, darf dies nicht Wunder nehmen: die welschtirolische Gelehrtenwelt stand schon seit Jahrhunderten in regstem Verkehre mit den italienischen Collegen jenseits der Landesgrenze, während die Männer der Wissenschaft im deutschen Tirol lange Zeit wie durch eine chinesische Mauer von einer näheren Verbindung mit den Geistesgrößen Deutschlands abgesperrt waren. […]

Roschmann der Aeltere beschrieb in seinem auf gründlichen Quellenstudium beruhenden Werke. „Veldidena urbs antiquissima, Augusti Colonia et totius Rhaetiae Princeps“ (Ulm 1744) nicht nur die Schicksale und Trümmerreste des uralten Wilten, sondern bespricht auch die Verhältnisse der römischen Provinzen Rhaetia und Vindelicia, während Roschmann der Jüngere keltische Ortsnamen und Alterthümer behandelt.

In neuerer Zeit schrieben der Senior unserer Geschichtsforscher Albert Jäger über das Volk der Breonen, Professor Julius Jung, derzeit in Prag, und der in Vorarlberg eingebürgerte, durch einen tragischen Tod dem Studium entrissene Schotte John Scholto Douglaß über römische Straßenzüge und Inschriften, Prof. A. Pichler über die Antiken des Ferdinandeums, Dr. Samuel Jenny in Hard über die Baureste Brigantiums und Terrasigillata-Geschirre, der aus Tirol stammende Professor V. Hintner in Wien über etruskische Inschriften. Der gelehrte Franciscaner Flavian Orgler hielt im Jahre 1874 in der Innsbrucker Philologen-Versammlung einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über Antikenfunde in Südtirol.

Unter den welschtirolischen Gelehrten sind besonders erwähnenswerth Joh. Garzetti und der Sprachforscher Professor Sulzer aus Trient, Jakob Tartarotti und Abbate Stofella aus Roveredo. Letzterer schrieb gründlich über die Römergräber seiner Vaterstadt und unter Anderem eine für die Gegenwart, in welcher nicht nur die Lebensmittel-, sondern auch die Alterthümerverfälschung bedenkliche Dimensionen annimmt, zeitgemäße Broschüre über die Charlatanerie der Alterthumsforscher und Händler (Mailand l826.) Alle diese einen verdienten Ruf genießenden Männer überragt Graf Benedict Giovanelli aus Trient […]“.

Aus: BOZNER ZEITUNG 4. Juni 1878, abrufbar hier.


Zum Namen Sulzer

Sulzer („Salzer“) ist übrigens ein häufiger Familienname in der Schweiz mit der Grundbedeutung Beruf des Fleisch-Einsalzers, Selchers, Sülze-Herstellers. Mich beschleicht die Ahnung, ob unsere welsch- und deutsch-tirolischen Sulzer nicht auch als die vom Sulztal (Val di Sole) kommenden erklärt werden könnten.