ETYMO AM SAMSTAG | NAMEN SIND HEILIG

21. Februar 2026

Der Name ist ein mächtiges Totem. „Mal“ für Geist & Genius, Stamm & Ahnen.

Namen sind heilig. Grundsätzlich. Und im ersten Schwung unpersönlich, ja göttlich (lat. „Numen“). Das muss man beim Erforschen und Deuten von Ortsnamen gerade aus der vor-schriftlichen Zeit bedenken. Das Heilige wurzelt im Menschenstamm, in der Gemeinschaft: sie setzt sich das Totem. Ein mächtiges Totem ist der Name. Der des Stammes, der des Ortes, der des von der Menge Herausragenden, der der Ahnen und Schöpfer. Ganz zuletzt der Name des Ich.

Ausflug in die Anthropologie

Der Mensch ist, wie Aristoteles auf ewig bestimmt hat, ein „Zoon politikon“, ein geselliges Lebewesen und das heißt, ein Gruppenwesen oder Herdentier. Ein höchst schlaues Tier mit Ich-Bewusstsein, gewiß – das aber seit Urzeiten seine Identität ganz aus der eigenen Gruppe zieht und sich zuerst am Geweih des Leithirsches und später der Fahne orientiert. Noch heute, im Zeitalter des Egoismus, sieht man auf der ganzen Welt die vom Stammhirn erzeugte, archaische Lust am Versinken und Aufgehen in der Masse. Schau auf Fußballstadien, Rockkonzerte, Massendemos, Olympia und WM, auf die Massenmobilisierung Krieg führender Nationen, aber auch auf das biedere Vereinswesen von der Feuerwehr bis zum Pfarrgemeinderat.

Idol statt Ich

Dieses Sozialtier bekämpft das Individuum, sieht das eigenständige Denken und Reden gegen die Gruppe als Gefahr, verfolgt im berauschenden Kollektivglauben das nackte Einzelwesen bis zum Tod (Hexen). Allein die Ergebenheit gegenüber dem Leittier und Führer retten den Einzelnen im Sinne des „e-gregius“, wörtlich den aus der Herde ragenden. Aber nicht, dass als einzelner Mensch gefeiert wird. Der Singuläre ist ein Star und damit eine Projektion. Das gilt auch für Heilige.

Die „Persona“

Heute sind es Performer, die von Mode, Showbusiness und Masse produziert werden, Idole, vergöttlichte Figuren, bzw. „Person“ im ursprünglichen Wortsinn (das Theatermaske bedeutete). Wenn Donald J. Trump Wohntürme, Bahnhöfe und Flughäfen nach ihm selbst benennen will, dann folgt er der Logik des Cäsarentums und des antiken Personenkults.

Personalisierung typisch für Spätzeiten

Es ist geradezu ein Zeichen von Spätzeit einer Hochkultur, wenn personalisierte Ortsnamen hervortreten, Paradebeispiel „Konstantinopel“; oder aber ein augusteischer Akt der eigenen Denkmalsetzung wie im Absolutismus wie St. Petersburg, Friedrichshafen, Georgetown. Selbst dann sind sie Imperatoren, Königen, Feldherren, Päpsten vorbehalten und nicht einfachen Soldaten im Ausgedinge oder bürgerlichen Villenbesitzern.

Gilt auch fürs Etschtal

Wenn diese ihr „Leonanum“ bekommen, dann erst spät in der römischen Kulturentwicklung – zu einer Zeit, als alle unsere Ortschaften mit der Endung „AN“  längst schon bestanden haben, weil keltischen oder sonstwie rätischen Ursprungs.

Nächste Folge von ETYMO AM SAMSTAG: Die römische Kulturrevolution (des Christentums).