ETYMO AM SAMSTAG | GAIAN

7. Februar 2026

Unerwarteter Zuwachs für die Ortsfamilie der AN im Etschtal.

Wie schon öfter erwähnt, sind typische Ortsnamen für das mittlere Etschtal jene, die auf AN enden, allen voran natürlich Meran. Dann haben wir die bekannten Orte Eppan, Andrian usw., dann die versteckten wie Lanan, Schennan, Meltan, Tisan, Baslan usw. Heute können wir eine weitere Perle in diesen Rosenkranz aufnehmen, dem Pater Tarneller sei Dank. Es ist der Ortsname Gaian, auch Gojen.

Und wieder haben wir, wie schon bei Sinich/Sinig, eine interessante Spiegelung über das Tal hinweg. Gaian oder Gajen ist ein Ortsname in der Marlinger Mitterterz, und ebenso ein Ortsname bei Schenna, bekannt durch das Schloss Goyen hoch über der Mündung des Naiftales ins Meraner Becken.

Was ist nun das Marlinger Gaian? Dort ist vom alten Namen Ortsnamen der Gaynerhof übrig geblieben, der akkurat neben dem Sinigerhof steht. Pater Tarneller schreibt dazu (meine Hervorhebungen):

Gayner. 1653, 1592 Mairhof zu Gajen, 1539 Hof zu Gajen, 1285 ein Hof ze Gaien; 1485 Veit mair gesessen zu Gajen und richter zum Stain sitzt zu Tscherms mit dem Stab zu Anleit — rechten, 1418 in praes. Chunr. villici de Gayen, 1380 Gerdrud Hainzen sel. wirtin dez maiers von Gaian, ire kinder und Ulrich Spet mair zu Gaian der chinde stiufvater verkaufen Chuonrado villico von dem nidern Houe super Pubigel plebis Leunan ius hered. et colonie curie site in loco d. Gayan feodale a claustro sanctimonialium in Merano salve iure advocatie dominii Tirol quod habet in dicta curia, 1357 pr. Engelino de Gayan, 1278 Swiker de Gaian A. Tarnsberg. Gajen ist wie in Schennan auch hier urspr. Ortsname (in loco dicto Gayan, 1278 ager in Gaian), langob. in gahagio, gahaio, gaio, mlt. gajum = Jungwald, s. Sn. 3, 59 f.

Man merke: Ortsname, nicht Flurname. Tarneller führt das Wort auf Langobardisch zurück und nicht etwa auf Villa des „Gaius“ oder Caius, was ein klassischer Römername wäre und den die romanische Schule sicher vorziehen würde. Dass aber zwei Caiusse in Sichtweite an den Hügeln logierten, ist aber auch nicht das Gelbe vom Ei. Wie schon beim Marlinger Marinu klingt auch der Langobarden-Name „Jungwald“ unpassend. Das Mittelalter-Lateinische „gajum“ scheint Tarneller dran zu hängen wie ein Reserverad, falls der gahagio platzt. Der Keltomane würde wohl den Wortursprung im cymbr. ganna = Steingeröll, Halde, Hang und g. lian = Wiese suchen.

Jedenfalls freue ich mich über den Zuwachs in der AN-Familie des Etschtals.

In der nächsten Folge von Etymo am Samstag: NATUR PERSON KULT – In der Ortsnamenforschung überwiegt das Physikalische, das Heilige kommt zu kurz.