DIE METHODE STEUB

8. November 2025

(Etymo) Der „tirolomanische“ Dr. Ludwig Steub, sachkundiger und befruchtender Besteuber.

Ein visionärer Spach- und Namensforscher mit großem Erzähltalent und publizistischen Erfolg war der Münchner Dr. Ludwig Steub, ein Altphilologe mit „Tirolmanie“, der zuletzt in Meran lebte und dort 1878 verstarb.  Steub ist ein begnadeter Etymologe, einer, der die Phantasie zum Werkzeug macht und die Wissenschaft befruchtet, eine etymologische Biene gleichsam, die nicht die Frucht erntet, sondern den Honig aus der Blüte zieht und damit die Frucht erst möglich macht.

Die Methode Steub hält sich nicht lange mit Tarnellers Gesetz auf, das, wie in den ersten beiden Folgen dieser Serie erzählt, ein tiefes Aktenstudium bedingt.

Ludwig Steub hört einen Namen und ihm fallen dazu ein Kranz von ähnlich klingenden Namen oder Wörtern ein, die er aus seiner profunden Beherrschung der Altsprachen Latein, Griechisch, Hebräisch vorrätig hat, die neueren europäischen Sprachen selbstverständlich mit im Gepäck. Jetzt überspringt er, ohne sie zu missachten, die anstrengenden (und oft falschen) linguistischen Herleitungen und landet einen Treffer. Wohlgemerkt im Sinne der Biene: nicht Frucht, Besteubung!

Das Besondere daran ist seine Methode: In seiner Jugendzeit hat er alles, was im Alpenraum an Ortsnamen undeutsch klang, auf das „Rasenische“ zurückgeführt. Damit bezeichnete er eine vorrömische Sprachkultur, zu der er auch das Etruskische zählte. In seinen reiferen Jahren vollzog Ludwig Steub dann einen radikalen Kurswechsel und deutete (fast) alle Tiroler Ortsnamen auf romanische Wurzeln hin – just als die anderen Namensforscher sich auf das keltisch-germanische Element verlegten.

In beiden Richtungen bleibt Ludwig Steub ein äußerst sachkundiger und befruchtender Besteuber.

(In der nächsten Folge von Etymo: Sind Südtiroler Ortsnamen romanischen Ursprungs?)