Im Schutz der herrschenden Meinung dünken sich manche supergut bis überlegen.
Es ist mir letzthin in zwei Leserbriefen aufgefallen, was man auch auf der Bühne von Lanz bis Stauder beobachten kann: das völlig ungenierte Besserwissen zu Lasten anderer in Ausdruck und Sprache. Kann ja sein, dass Sprecher nicht ganz unrecht hat – aber muss man denn unbedingt und immer dem Gegenüber bedeuten, wie der alles falsch sieht, nicht eins und eins zusammen zählen kann und auch sonst nicht ganz helle ist?
Beispiel Besserwisserdünker 1: In der „Dolomiten“ darf Kolumnist Franz Niedermaier aus Bayern manchmal seinen regierungskritische Blick auf die politischen Verhältnisse in der Bundesrepublik werfen. Dieses zweite Auge gefällt vielen Tagblatt-der-Südtiroler-Lesern gar nicht, sind sie doch die Jahre über mit dem süßen Gift der Merkeljahre vollgesogen. Prompt erntet unser wackerer Niedermaier Gift und Galle. Diesmal geht’s um Niedermaiers Kritik an der Industriepolitik der EU im Fall der erzwungenen Stromer-Autos. Nein, meint ein Besserwisserdünker in seinem Leserbrief gegen den Kolumnisten, die Verbrenner werden abgeschafft, weil das eine „ineffiziente Technologie“ ist, und in China seien schon die Hälfte aller Autos Stromer, und dann wörtlich: „in EU der gib es ähnliche Trends.“ Diese zweifelhaften Behauptungen hindern den Besserwisserdünker nicht daran, dem Kolumnisten am Ende zuzurufen: „Ein Blick über den bayrischen Tellerrand hinaus hätte nicht geschadet – der Analyse und dem Autor.“ Das sind Töne! Wie gut, dass man von Olang aus so lang und so breit in die Welt hinaus sieht. (Leserbrief von Michael Pörnbacher aus Olang in „Dolomiten“ 20. Jänner 2026, Seite 10).
Beispiel Besserwisserdünker 2: „Herr Donà verwechselt Äpfel mit Birnen“ eröffnet Hermann Unterkircher aus Garmisch seinen Antwort-Leserbrief zur Frage, ob ein Kopftuch Zeichen der Tiroler Tradition oder Sinnbild muslimischer Unterdrückung sei. Manfred Donà aus Nals hatte am Vortag in drei knappen Sätzen darauf aufmerksam gemacht, dass seine Oma, tief gläubig katholisch, stets Kopftuch getragen hat. Indikativ. Feststellung. Tatsache. Keine Wertung, keine Meinung. Und was erntet der Beobachter? Ideologische Besserwisserei, wörtlich „Das Kopftuch ist … Unterwerfung zum männlichen Geschlecht“. Kann meinen, wer mag, auch mit falscher Präposition, kein Problem. Nur genügt dem hehren Mann das nicht. Er muss den Donà anfetzen, sinngemäß: ‚kann nicht mal rechnen‘, ‚verwechselt die einfachsten Dinge‘. Unwahrscheinlich, denn in Garmisch wächst kein Tafelobst, in Nals aber reichlich. (Leserbrief von Hermann Unterkircher aus Garmisch-Partenkirchen in „Dolomiten“ 21. Jänner 2026, Seite 28).
Beispiel Besserwisserdünker 3: Im politischen Teil der „Dolomiten“ (21. Jänner 2026, Seite 13) kommt SVP-Landtagsfraktionssprecher Harald Stauder groß zu Wort. Er beanstandet das Abstimmungsverhalten des Nicht-SVP-Regierungsmitglieds Mair mit der Sentenz: „Wenn jemand am Mittwoch und Donnerstag anders stimmt als am Montag…“ (als ob die Richtigkeit von Politik von den Wochentagen abhängen würde), um gleich die Rute auszupacken: „…tut sich selbst nichts Gutes, wenn es auch ohne sie geht, Mehrheiten zu finden“. Die Zaunpfahlbewinkte wäre selber wohl nie drauf gekommen. Was für sie gut ist, das muss ihr schon gesagt werden, der guten Frau. Am Montag, am Mittwoch und am Donnerstag auch.