Dieses feine Wintergemüse stammt gewissermaßen aus Magdeburg.
Um die Reihe Kaffee aus Magdeburg und Zichorienwurzel abzurunden: Der Kaffeeanbau in Deutschland hatte ein weiteres hochwertiges Kulturprodukt zur Folge, nämlich die Chicorée.
Die Sage geht so: Ein Belgier hatte sich in Magdeburg mit Wurzelzichorie eingedeckt, um Kaffee daraus zu machen. (Der Zichorienkaffee ist in den Niederlanden ebenso heimisch wie in Deutschland, man sieht es an den Handelsmarken). Weil er den Einkauf nicht sofort verarbeiten konnte, schlug er die Zichorien in Erde ein und stellte die Kiste an einem dunklen Ort ab. Nach einiger Zeit keimten die Wurzeln, und Aus ward es mit dem Kaffeerösten. Dafür schmeckten die weißgelben Triebe mit ihrer leichten Bitternote köstlich frisch. Die belgische Chicorée war geboren.
Irgendwie ist es eine Ironie der Botanik, dass die belgische Chicorée, dieses edle Gewex für Feinschmecker, ursprünglich von der gemeinen Wegwarte abstammt, genauso die Zichorie und die beliebte Salatpflanze «Zuckerhut».
Etwas geärgert hat die Belgier später, als die Chicorée die höheren Kreise der Gesellschaft erobert hatte, nur die Tatsache ihrer Herkunft aus Deutschland (Magdeburg), weswegen sofort ein belgischer „Erfinder“ mit Rang aus dem Hut gezaubert werden musste. „Nach einer Überlieferung zog der Chefgartenbauer am Botanischen Garten in Brüssel, Bresier, 1846 die ersten Chicoréesprossen“ schreibt die deutsche Wikipedia unter „Zichorie/Wegwarte“, nennt aber auch eine zweite Sage, die der Zufallsentdeckung wie oben, datiert sie aber mit 1870, was weitaus weniger glaubhaft ist. Eher könnte ein nett gestaltetes Werbe-Beiblatt einer Chicorée aus dem Burgenland recht haben, das den Zufallsfund auf die Zeit der belgischen Revolution von 1830 datiert. Zichorienzüchter in Brabant hätten während dieser Unruhen zumindest ein starkes Motiv gehabt, ihre Wurzeln einzuschlagen und zu verstecken – und die darauf folgende Veredelung durch Monsieur Bresier würde auch besser passen.
Übrigens nennen die Franzosen das Chicorée-Gemüse „endive“ und die Zichorie für den Kaffee „Chicorée“.