Eine kleine Geschichte des Kaffee*. Warum die Arabica Bohne heißt, aber längst nicht der einzige Kaffee ist.
Wie man weiß, ist der Kaffee über Persien und den arabischen Kulturraum auf uns gekommen. In Äthiopien ist der Kaffeestrauch ursprünglich zuhause, dort auch in der Region Kaffa.
Im Jemen gibt es die Handelsstadt Mokka, von der aus die zartgrünen Kaffee-„Bohnen“ verschifft wurden. Die Kaffeekerne aus „Arabien“ heißen Bohnen, nicht weil sie unseren braunen Bohnen ähnlich sind, sondern weil sie auf arabisch «bunn» genannt werden. Die Araber hatten über Jahrhunderte das Handelsmonopol. Deshalb heißt die Edelsorte Kaffee «Arabica» und übrigens auch der Kaffee Kaffe (von arab. quahwa = anregendes Getränk) und Mokka Mokka.
Kaffee ist für uns heute gleichbedeutend mit diesen arabischen Bohnen, mal braun, mal schwarz geröstet, fein gemahlen, mit kochendem Wasser überbrüht. Sie geben dann dieses schwarze Bittergetränk oder auch Elixir ab, das muntermacht und wach hält.
Wenn man ohne groß nachzulesen, über den Kaffee nachdenkt, dann kommt man zum Schluss, dass seine Geschichte viel älter sein muss als die der Kaffebohnen, die von arabischen Karawanen von Äthiopien bis nach Palästina und ins Mohrenland Spanien getragen wurden.
Bevor diese exotische Luxusfrucht aus Afrika zum Genussmittel und zur Wachdroge der reichen Oberschicht der Neuzeit werden konnte, muss es doch auch einen Kaffee der anderen Art gegeben haben. Die Geschichte des Kaffee kann nicht mit dem Bedürfnis, sich aufzuputschen, begonnen haben. Das Koffein als Wirksubstanz wurde erst spät und übrigens auf Anregung von Goethe entdeckt – natürlich in Deutschland. Der Kaffee, der hat noch andere Funktionen, und somit auch mehrere Ursprünge.
Und tatsächlich, es gibt diese Art von Kaffee ja noch heute. Noch ist er nicht ausgestorben, der Feigenkaffee, der Gerstenkaffee, der Zichorienkaffee. Sind alles gedörrte und geröstete Früchte, Wurzeln und Getreidekerne, seit jeher bekannt und jeweils leicht verfügbar. (Mehr dazu in den kommenden Folgen). Alle mit dem Zweck, das Trinkwasser aus Bächen und Brunnen, das ohnehin abgekocht werden musste, weniger langweilig zu machen und – ganz wichtig – die Verdauung anzuregen.
Ich neige dazu, die Veredelung des Trinkwassers und die Verdauungshilfe als den wahren Zweck des Kaffeetrinkens anzusehen. Das Wachhalten der Arabica kommt oben drauf, erklärt den Siegeszug des Bohnenkaffe im Westen, was wiederum die anderen, älteren Funktionen des Bittergetränks überdeckt.
Wahrscheinlich gibt es Kaffee, seit der Mensch Mahlsteine und Kochtöpfe hat. Der koffeinhaltige, arabische «Bohnen-Kaffee» in der kleinen Tasse (Tasse ist auch ein persisch-arabisches Wort) ist nur die Krönung eines langen, langen Laufs.
A bissl KI-Wissen (Google-Suche „grösste kaffetrinker der welt“):
Finnland ist mit etwa 12 kg Rohkaffee pro Kopf und Jahr das Land mit dem weltweit höchsten Kaffeekonsum. Skandinavische Länder (Norwegen, Island, Dänemark, Schweden) führen die Liste an. Niederlande und Schweiz in den Top Ten. Europa ist der Kontinent mit dem höchsten Kaffeekonsum.
Morgen, in der nächsten Folge: Der Kaffee aus Magdeburg
Fussnote
*) Hier „des Kaffee“, obwohl es grammatikalisch korrekt im Deutschen heißen müsste: „des Kaffees“ – Genitiv, markierungspflichtig. Allerdings ist der Genitiv im Schwinden begriffen, was ich hier eigenmächtig ausnutze. Die Begründung bekommt einen eigenen Beitrag später einmal.