Die Welt im Umbruch bringt neue Muster und Ordnungen hervor.
Jeder kennt das Staunen aus seinen Kindheitstagen. Eine bunt bemalte Kartonröhre, man blickt hinein wie bei einem Fernrohr, es ist aber keins, man dreht, es macht ein leises Klicken, fast Klirren, als ob etwas zerbräche, und, o, schon stellt sich ein neues Wunderbild ein in herrlichen Farben und geometrischen Mustern, und das immer wieder aufs Neue. Dieses Wunderrohr nennt sich Kaleidoskop.
Mir ist dieses leise Klirren eingefallen, als ich in der Kritik gestern vom Zeitgeist schrieb, „der sich neu ordnet“. Ist es nicht so auch mit dem Zeitgeschehen heute? Alte Ordnungen zerfallen, neue entstehen, scheinbar wie von selbst. Jene, die am Rohr drehen, glauben ein Fernglas zu haben, schauen aber nur in einen Zauberspiegel hinein. Während die wenigen und ewigen Teile des Universums durch das Rühren nur neu fallen und dem Schauenden ein neues, scheinbar hochkomplexes Bild vorgaukeln, eine neue Ordnung, die das Kind Mensch einmal mehr in seinen Bann zieht.
Titelbild: (c) Kymo Germany