(etymo) Algunde ist ein deutscher Mädchenname. Hört sich an wie unser Algund bei Meran.
Nach Lanan und Marling ist Algund der dritte interessante Fall in der Reihe der Etschtaler Ortsnamen, die nicht so einfach herzuleiten sind. Bei der Erklärung der Herkunft des Namens Algund sind die Romanisten unter den Sprachforschern (J. Thaler, B. Weber und Ch. Schneller) in eine besonders trübe Lacke getreten. Sie meinten, das Wort stamme von lateinisch «ad lacunam» (an der Pfütze), also eine Art Lagunendorf, was schon allein von der Topografie her ein ausgemachter Unsinn ist.
Nach der Erstnennung «Alagumna» um das Jahr 1000 hat sich recht stabil der Name Algund herausgebildet. Im Volksmund sagte man übrigens stets «Lagund». Ludwig Steub hielt den Namen für rhätisch (vorrömisch und nicht-indogermanisch). Aber schon Ignaz Zingerle wagte (1888) den Einwurf: «Die jetzigen Algunder sind jedoch ebenso sicher wie die Partschinser wesentlich deutscher Abstammung.»
Dasselbe gilt für den Namen Algund, der eigentlich leicht als fränkisch/alemannisch zu erkennen ist: Da stehe die Heilige Aldegundis vor! Varianten dieses wunderschönen deutschen Frauennamens sind u. a. Adelgund, Gunda, Adele und – man staune: Algunde.
Die Algunde ist die semantische Brücke zu Algund. Was wir noch brauchen, ist das ethnische Bindeglied. Und das sind die Alemannen: Bei denen sind die Adelgundis-Mädchen daheim.
Von der Geschichte her weiß man, dass die Alemannen – zuerst eigenständig und dann unter fränkischer Herrschaft – tief in die Alpen vorgestoßen sind. Bei uns kamen sie von Westen her übers Vinschgau – und ich meine, just bis zur Endstation Algund.
Das Alemannen-Dorf vor den Toren der römischen Festung Castrum Maiense musste lange Zeit die letzte (und gefürchtete) Bastion der Franko-Alemannen gegen die Langobarden und Romanen im Etschtal gewesen sein. Deshalb erhielt es von den Letzteren respektvoll den Namen «Alagumna», was soviel bedeutet wie Kampfgrund der Alemannen. Der Ortsname konnte durch die Nähe zum Personen-Namen Algunde später fest im kollektiven Bewusstsein verankert werden.
Die nächste Folge etymo am Samstag: Das gespiegelte Sinich.