BITTE STREIKT ÖFTER

29. November 2025

Journalisten streiken, Zeitunglesen ein Genuss.

Die „Dolomiten“, mein papierenes Leib- und Magen-Blatt (mit gelegentlichen Magenverstimmungen), erscheint heute in neuem Glanz. Weil gestern, am „Black Friday“, die hauseigenen Journalisten gestreikt haben (FNSI). Zeitung tot? Ganz im Gegenteil! Ein Genuss.

Die Titelseite hat alles, was es braucht: Wetter, politische Zeichnung, echte Werbung, und ein Fokus-Thema, dessen Gültigkeit über den Augenblick hinausgeht: Advent. Innen gibt es den Veranstaltungskalender und die Todesanzeigen. Die Kreativkräfte der Werbeagenturen zünden ein Feuerwerk an Bildern und Informationen.

Denn klar hat der Verlag den Rabatt-Tag „Black Friday“ genutzt, um die journalistenfreie Ausgabe alternativ aufzupeppen. Glänzend gelungen. Die mehrseitige Werbebeilage des Trentino zeigt uns Dinge, die wir von unserem Nachbarn nicht wussten. Und zeigt auch, wie dünn der Unterschied geworden ist zwischen manchen geschriebenen Stücken von staatlich geprüften Presseleuten und der offenen Werbung der Agenturleute. Kein Ruhmesblatt für die Journalisten.

Die heutige Streik-Ausgabe der „Dolomiten“ hat in nuce (im Nusskern) alles, was eine Zeitung haben muss. Gerne wollen wir die Chronisten und Korrespondenten vor Ort am Montag wieder zurück haben. Aber es ist nützlich zu sehen, was da alles fehlt. In der Zeitung fehlen plötzlich (aber nicht ganz) die täglichen Aufmerksamkeits-Schnorrer und Lobbyisten. Es fehlen die journalistisch getarnten Hofmitteilungen der sponsernden Assessorate, die mittlerweil die Zeitungen durchziehen wie ein Baumkrebs. Es fehlen die selbstzufriedenen, mit Honigmund und Eierkuchenduft verfassten Vereinsmitteilungen aus allen Ecken des Landes. Und endlich einmal kein Witwe-Bolte-Kopftuch, weil keine Meraner Seite.