ZOGGLER SOCKEN BUZAGELS

30. Dezember 2025

Eine etymologische Plauderei zum Familiennamen Zöggeler.

In morgenfrühen Gedankenträumen vom etymologischen Geist überfallen, meinte ich, der hiesige Familienname „Zöggeler“ wäre doch ganz einfach als Hufschmied zu erklären. Und zwar so: Zoccolo auf Italienisch bedeutet auch Pferdehuf. Kommt von lat. Socculus, kleiner Soccus (provenzalisch soc).

Sock? Wie vertraut das klingt! Und tatsächlich: unsere Socken (auch der Sockel) kommen von genau daher. Wobei der römische Soccus wiederum vom hellenischen sykchos, Schuh, geliehen ist. Ottorino lehrt, dass mit Soccus ein Schuhwerk mit grober hölzerner Sohle und Lederbespannung gemeint ist – also so was wie die schwedischen Tofflor oder die englischen Cloggs.

Der Zöggeler wäre mir also einer, der die „zoccoli“ von Eseln, Maultieren und Rössern  trimmt und behuft. Und weil die Zöggeler vom Tschögglberg stammen und es auf Tirolisch den Ausdruck Tschöggl im Sinn von grobschlächtiger Bergmensch gibt, dachte ich auf die naheliegende  Sinnübertragung von Ottorino’s Holzschuh auf die Gestalt eines holzbeschuhten Bauernknechts mit schlichtem Gemüt.

Dann hat mich der Ludwig Steub von den Socken gehaut. Er deutet (1879/1885) den alten Tiroler Familiennamen Tschugguel als „gioguolo“, zu Deutsch Jöchler – Steub reitet gerade auf der romanischen Welle. Da ich den Namen Tschugguel gleichbedeutend mit Zöggeler (und Tschöggl) sehe, wäre die Bedeutung des Familiennamens Zöggeler dann ebenfalls Jöchler.

Dieses Ergebnis befriedigt nicht. Da ist noch viel mehr, was mit dem Wort „Zöggeler“ zusammen hängt. Zum Beispiel der Zoggler Bach und Zoggler See in Ulten, den unser Verhunzer Senatore Ettore Tolomei rotzfrech zu einem Lago di Zoccolo umgetauft hat. Dann gibt es da noch den Zoggler in der mundartlichen Bedeutung von minderer Mensch oder Lumpenproletarier. Was hat der hier zu suchen? Einer mit Holzschuhen? Auf der entgegengesetzten Seite des sozialen Lebens finden wir ihn auch, den Zoggler. Es soll das Edelgeschlecht der Zoggler in Kurtatsch gegeben haben. Und etwas allgemeiner und leicht anders geschrieben gibt es die vielen Zagler (gesprochen Zogler) und Zaglerhof in Orten wie Jenesien, Lana, Passeier, Dorf Tirol usw.

Die Familiennamen Zöggeler und Zagler dürften etymologisch die selbe Wurzel haben. Wir haben in Jenesien den Tággl oder Zaglerhof,  wir haben in Lana den Zaglerhof, der vom nahen Flurnamen Buzagels abgeleitet sein soll. Das sind zu verschiedenartige Dinge, als dass ein Hufschmied, ein Holschuh oder ein Jöchler der Namensgeber sein könnte. Kein Bach, kein See und keine ganze Hochfläche wie der Tschögglberg (Zöggelerberg, Zogglerberg, Zaglerberg) würde nach einer Familie allein benannt werden. Also heißt es weiter rätseln. Ein Romanist würde im „agl“ wohl Wasser, Quelle oder Wasserlauf sehen (aquale), im „Z“ ein Präfix und in „Buz“ eine spezifizierende Ortseigenschaft vermuten.

Auszüge aus der Zoggler-Erkundung

Tarneller, Hofnamen, 1909, Ulten: „Der Bach heißt Zoggler- oder Marschnellbach und fließt vom Rontscher Joch und Peilstein herab.“

Tarneller, Hofnamen, 1909, Ulten: „Zoggler. FN. 1697 Mänzen und Steidlguet so man in Gmain beim Zoggler nent, 1557 zum Männzen (Hans Zaggler), Steidlguet … 1423 der hoff zum Mantzn, das Stewdelgüt; 1408 in praes. Jacobi Stäudli PN. Manzo … Studilo…

Tarneller, Hofnamen, 1909, Jenesien: „In monte s. Genesii … sand Genesien …. Treiner, Tággl. … 1723 Zoglerhof auf Genesing (Inhaber der Treinler und die Holerisch Witib), 1649 Zaglerhof ; 1570 Gregori Rieder iez genant Zagler auf Senesy, 1524 Hans Zagler kirchprobst, 1518 Hans Zagler am Zaglerhof auf sant Genesienperg stiftet Jahrtag aus den Grund- und Paurechten des ganzen Zaglerhofs; vgl. Nr. 1019. — 1820 Tággl oder Zagler, 1777 Zaglerhäusl.“

J. Tarneller, Tiroler Familiennamen 4000 Geschlechternamen, 1923: „Zagler (Treindler H. Jenesien, 1777 Zagler oder Treindlerhof, 1518 Zaglerhof, Zagl H. Passeir, R. Nösslach am Brenner; mhd. der zagel = Schwanz, örtlich schmaler Auslauf eines Geländes), 1518 Hans Zagler am Zaglerhof (Jenesien), 1379 Toldo von Zagel (Passeir).“

J. Tarneller, Tiroler Familiennamen 4000 Geschlechternamen, 1923: „Tschugg (Tschuggen Alpe in Laterns oder verhochdeutscht aus Tschuegg H. Deutschnofen, Leifers). […] Tschugguel (wahrsch. Schgagul H. Kastelrut), 1780 Joh. Scaguler besitzt Scagul.“

Gruber Veronika, Kurtatsch und sein Gebiet im Wandel der Zeit : ein Heimatbuch 1995: „Der Zogglerhof (BP 295), heute eine Ruine, geht wohl auf das Edelgeschlecht der Zoggler aus dem 14. Jh. zurück.“ 

Bekannt war das Café Tschugguel am Obstmarkt in Bozen (1905)

Ludwig Steub, Zur Namens- und Landeskunde der deutschen Alpen, Beck/Nördlingen 1885: II. Onomatologische Belustigungen aus Tirol. S. 71 …. Rufinatscha, rovinaccia, Erd- oder Bergbruch … Tappeiner, früher Depeyner, de pino, Forcher, Tschiggfrei, giogo frigido, frio, Kaltenjocher, Tschugmall, Tschugmell, giogo malo, Bösenjocher, Tschugguel, gioguolo, Jöchler, Vallunger, Flunger, val lunga, Langthaler.

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