NEUE BRÜCKEN BRAUCHT DAS LAND

15. Dezember 2025

Eine der größten Umwälzungen bei uns ist die Umkehr von Berg zu Stadt.

Wenn so bizarre Projekte auftauchen wie der – trotz Küchelbergtunnel – vom Land gewollte Neubau der noch funktionstüchtigen und gar nicht so alten Jaufenbrücke hinter Meran, dann beginnt man zu begreifen, wie sehr sich das alte Verhältnis von Berg und Tal, von Stadt und Land umgedreht hat. Der Berg ist zur Stadt geworden.

Vor der automobilen Ära waren geografische Seitentäler wie Passeier, Ulten oder das Sarntal, waren Hochflächen wie Tschöggel-, Nons- oder der Reggelberg in sich geschlossene, weitgehend selbstversorgende Einheiten. Die Leute dort machten keinen Verkehrsstau, sie verdüngten ihre Ausscheidungen auf den eigenen Feldern, und ein Landarzt („Dokter“) kurierte sie an Ort und Stelle.

Mächtig waren sie im Export. Stadt und Land waren es gewohnt, von ihnen Holz, Lebensmittel und Arbeitskräfte zu bekommen. All diese Menschenkraft, die Knechte, Industrie- und Bauarbeiter, Haushaltshilfen, Kindermädchen, Akademiker und Ordensleute bereicherten die Stadt und das ebene „Land“. Dafür genügte eine schmale Straße. Sie pendelten nicht, sie zogen in die Stadt. Heute nicht mehr.

Diese Revolution steht vor unseren Augen, liegt uns täglich in Ohren und Nasen, ohne dass wir darüber nachdenken. Ganz Ulten wälzt sich am Morgen ins Tal, um Abends wieder bergwärts zu fahren. So Passeier, so Vöran, Hafling, Proveis und, und.

Die Quelle für Kindermädchen ist versiegt, riesige Kläranlagen müssen die Bäche von Spülmitteln und Ausscheidungen reinigen, ein Weiler auf 1.500 Metern Höhe im Hinterpasseier hat heute die gleichen Standards wie ein Stadtviertel in Untermais. Anstatt natürlich Gewinn abzuwerfen, muss der Bergbauernhof industriell arbeiten und voll bezuschusst werden, damit es ihn überhaupt noch gibt.

Der gemeinsame Motor für das alles ist der automobile Verkehr. Ohne mächtige Tunnelröhren und neue Brücken geht es nicht mehr. Deshalb wird der neue Küchelbergtunnel die Hauptlast beim Verkehr ins und aus dem Passeiertal übernehmen.

Und auch Lana sollte ganz schnell um hundert Jahre voraus denken und einen langen Tunnel hinein ins Ulten bauen. So weit so unumkehrbar.

Straßenevolution im Ulten