1903 | ANSTATT NACH KLAUSEN NACH CHINA

27. November 2025

Wie ein Brief eine Reise von einigen tausend Meilen zu Wasser und Land machen mußte, bevor er seinen kaum zehn Meilen entfernten Bestimmungsort erreichte.

Tiroler Landzeitung, 9. Mai 1903

Anstatt nach Klausen nach China. Das „Tiroler Tagblatt“ erzählt, ein welscher k. k. Beamter hatte im vorigen Jahre ein Dienststück an ein Amt in Klausen zur Amtshandlung abgetreten und dabei das gut deutsche Wort Klausen in „Chiusa“ verwelscht.

Die Folge davon war, daß das Dienststück nicht an seinen Bestimmungsort anlangte und daher auch nicht erledigt wurde. Nach einigem Hin- und Herschreiben wandte sich das betreffende Amt an die Postdirektion in Innbruck, welch mittels Umfrageschreibens nach dem Verbleib des Stückes forschte. Vergeblich! Es war und blieb verschwunden.

Nach beiläufig einem halben Jahre langte bei dem vorgedachten Amte ein mächtig großes Poststück aus China ein, das den verloren geglaubten Akt in seinem Innern barg, nebst einem höflichen Schreiben des k. und k. Generalkonsulates in Shanghai, womit dieses den Flüchtling als „irrig hieher gelangt“, diensthöflich abtrat. Außer der Verwischung des Namens Klausen in Chiusa mag auch die unleserliche Schrift dazu beigetragen haben, daß der Brief eine Reise von einigen tausend Meilen zu Wasser und Land machen mußte, ehevor er seinen vom Ausgangsort kaum zehn Meilen entfernten Bestimmungsort erreichte.

Man staunt über die Effizienz der globalen Transportwege und der diplomatisch-postalischen Einrichtungen im Jahr 1903. Aber wir sind auch im Zeitalter des  Tiroler Nationalitätenstreits. Die gleiche Meldung hat in der Meraner Zeitung eine zusätzliche, scharfe deutschnationale Note (orange herausgehoben).

Meraner Zeitung 10. Mai 1903

(Verwelschter Ortsnamen und Auskneifer nach China.) Das „T.T.“ erzählt folgendes Stückchen: Ein welscher k. k. Beamter hatte im vorigen Jahre ein Dienststück an ein Amt in Klausen zur Amtshandlung abgetreten, und dabei das gut deutsche Wort Klausen in „Chiusa“ verwelscht. Die Folge davon war, daß das Dienststück nicht an seinem Bestimmungsorte anlangte und daher auch nicht erledigt wurde. Nach einigem Hin- und Herschreiben wandte sich das betreffende Amt an die Postdirektion in Innsbruck, welche mittels Umfrageschreibens nach dem Verbleib des Stückes forschte. Vergeblich! Es war und blieb verschwunden.

Nach beiläufig einem halben Jahre langte bei dem vorgedachten Amte in Klausen ein mächtig großes Poststück aus China ein, das den verloren geglaubten Akt in seinem Innern barg nebst einem höflichen Schreiben des k. u. k. Generalkonsulates in Shanghai, womit dieses den Flüchtling als „irrig hieher gelangt“ diensthöflichst abtrat.

Außer der völlig ungerechtfertigten Verwelschung des Namens Klausen in Chiusa mag auch die unleserliche Schrift dazu beigetragen haben, daß der Brief eine Reise von einigen tausend Meilen zu Wasser und zu Land machen mußte, bevor er seinen vom Ausgangsort kaum zehn Meilen entfernten Bestimmungsort erreichte. Dieser an sich ganz lustige Vorfall, dessen Wahrheit uns verbürgt ist, zeigt, wie weit wir in Tirol schon gekommen sind, daß es die Herren welschen Beamten schon wagen können, gut deutsche Ortsnamen zu verwelschen.