(Etymo) Die Kelten haben mehr mit Südtirol zu tun als die Wissenschaft meint.
Die Etymo-Serie ist „fantastoria“, „history-fiction“ oder wie immer man die freie Erzählung zu Sein und Werden von alten Kulturen nennen mag. In den vorschriftlichen Ursprüngen ist sich die Wissenschaft ja auch nicht immer sicher, also gut Mut. Solchen Mut verlangt die Erzählung von den Kelten, um die es ja auch einen Pop-Kult (Celtic) gibt, der in der gälisch-angelsächsischen Kultur Nordeuropas zuhause ist. In Mitteleuropa, dem Blüteland der Kelten, ist diese Art von Hochachtung nicht präsent. Dabei haben keltische Kulturen, Stichwort Hallstatt, lange ganz Österreich, Ungarn, Süddeutschland, Oberitalien, Iberien und Frankreich beherrscht. Um Südtirol, dem feinsten Alpenübergang zwischen Nord und Süd, sollen sie einen Bogen gemacht und alles den „Rätern“ und sonstigen Kleinstämmen gelassen haben? Niemals. Kann nur meinen, wer die Erzählung zu den Alpenvölkern den Römern überlässt. Ständig liest man: „Schon Tacitus erwähnt…“ usw. Dabei weiß man, dass diese Quellen einerseits imperiales Marketing sind und andere überhaupt erst in der Renaissance geschrieben wurden, also gefälscht sind.
Was die keltische Spur für Südtirol anlangt, so haben wir einen Hinweis, der so groß und unübersehbar ist wie ein Schild auf deutschen Autobahnen, und auf diesem Schild steht BRENNER. Einen geraderen und bequemeren Übergang auf den berühmten Kelten BRENNUS gibt es nicht. Das ist der Haudegen, der das frühe Rom im Jahr -390 an der Allia vernichtend geschlagen (dies ater) und hernach 1000 Pfund Gold von der Urbe erpresst hat (vae victis). Die Römer haben damals einen Keltenschock erlitten, der sie nach den punischen Kriegen dazu brachte, ihre ganze Kraft auf die Eroberung der Keltenländer zu richten, beginnend bei Bologna und Mailand – alles Gallia! Gallier, die sich im Übrigen gern erobern ließen. Den Ruhm aber wollten ihnen die Römer nicht lassen, und so haben sie die Geschichte frisiert. Dank Brennus steht fest: Das Herzstück der Alpen war so keltisch wie Schottland. Schaut nach Ortsnamen, die Bren-, Bric, Ber-, Pre- oder Ähnliches enthalten und ihr werdet ein keltisches Bren-Volk entdecken in Bregenz, Brenner, Brixen, Brescia, Bern = Verona.
(In der nächsten Folge von Etymo: Die florentinischen Fälscher)