IO NO AUSTRIA

12. November 2025

(J. Sinner) Wie ein Sportredakteur der Dolomiten den Ball ins Aus schießt.

Herr Sportredakteur Vieider,

in Ihrem Kommentar auf der Titelseite der Dolomiten (11.11.25) verlangen Sie Privatsphäre für den Tennisprofi Jannick Sinner. Das ist naiv. Sinner hat sein Recht auf Privatsphäre ruhend gestellt. Schließlich wird man mit Privatsphäre nicht zum Millionär – mit ATP-Tennis, steuerfreiem Montecarlo und gern gehörten Haltungsbekenntnissen aber schon.

Nationale Huldigungen gehören zum Südtiroler Beuge-Standard (Trenker, Thöni, Plankensteiner, Messner, Wierer, Zöggeler, u.v.a.). Jetzt auch Sinner. Aber Sie schießen sich auf die Schützen ein, weil die einen ehrlichen Zuruf wagen in der von ultrapatriotischen Italienern angefachten Schlacht um die nationale Identiät des jungen Mannes.

Als Sportredakteur wissen Sie genau, wie politisch Spitzensport sein kann. Wer freiwillig politisch hochsensible Äußerungen macht (und sei es nur aus Unerfahrenheit), der ist mittendrin im Hexenkessel. Übrigens habe ich durch das Lesen der alten Zeitungen erfahren, wie Leute an einem Tag „Hoch unser Kaiser“, am nächsten Tag „Viva il Duce“ und am dritten Tag „Heil Hitler“ gerufen haben. Am vierten Tag waren sie alle (wehrhafte) Demokraten. Der Mensch brunzt nicht gern gegen den Wind. So viel zur Verteidigung Sinners.

P.S.

Ist es nicht grotesk, dass ausgerechnet einer zum „Italiener“ genötigt wird, der nur einen Steinwurf weit weg von der österreichischen Staatsgrenze geboren ist und es genauso gut hätte umgekehrt  sein können? ‚Froh, nicht in Italien oder anderswo geboren zu sein?‘ Hätte das der Tennis-Star sagen müssen, wenn er in Sillian anstatt in Sexten zuhause wäre? Was Heimat angeht, sind Weltstars wie Novak Djokovic und Terminator Arnold Schwarzenegger halt doch andere Kaliber.