DER STAMMTISCH

7. November 2025

Ein Stammtisch ist Fixpunkt, hat Gesicht und Beständigkeit. Lagerfeuer der Ältesten, Börse der Volksklugheit.

Das Reden von Aug zu Aug in ständiger Wiederkehr. Der Stammtisch ist der Platz, an dem Redlichkeit (wie schön doch Deutsch ist!) geübt wird. Ja, Stammtisch hat mit zur Rede stellen zu tun. Unverzichtbar für die intellektuelle Hygiene, und das fast zum Nulltarif.

Direkte Kommunikation

Die alten Griechen hatten ihren Stammtisch am Tempel, in dessen Säulengängen sie umhergingen (peripatein), die neuen Griechen sitzen stundenlang bei ihrem Ouzo im Schatten der Taverne (Fotomotiv), die Jungen in den Städten hängen traubenförmig an irgendwelchen Straßenecken, die viktorianischen Sir’s hatten ihren Club, die gemütlichen Deutschen ihren Stammtisch im Wirtshaus, die Wiener hatten ihr Kaffeehaus. Alles «social media», aber real, analog, physikalisch, reaktiv, spontan – einfach, in Fleisch und Blut, im Hier und Jetzt, meist gewitzt, nie gelangweilt.

Bodenständig

Für Angeber, Hochstapler, Windbeutel und Großredner ist der Stammtisch ein ganz gesunder Rasenmäher. Also das genaue Gegenteil von all den Zeitungen und Sendern, in denen diese Gattung von Leuten weiter nach oben geblasen, verstärkt und unangreifbar gemacht wird. Vielleicht giften gewisse Journalisten, die sich zu Lakaien machen, deshalb so gegen den Stammtisch und würdigen die Stammtischler zu Idioten herab.

Unersetzlich

Heute setzt sich der Stammtisch virtuell im Internet fort. Erweitert, fluider, weniger nützlich, weniger effizient, weniger verbindlich, insgesamt trügerisch, aber immerhin. Der Verlust des guten alten Stammtisches in der Wirtshausstube ist dennoch zu beklagen, weil unersetzlich in seiner sozial wohltuenden Funktion. In der gesichtslosen Gastronomie gibt es keinen Stammtisch.