Rossija Segodnje (Russland Heute) hat weltweit als «Russia Today» Erfolg. Weil es dieses Medium braucht.
RT feiert den 20. Geburtstag. Russlands Präsident beglückwünschte das weltweit operierende staatliche Medienunternehmen zu seinem Erfolg, trotz Behinderung und Zensur in manchen NATO-Staaten. Tatsächlich kriegen die Regierungen RT nicht tot, weil zu viele Menschen weder auf die Freiheit des Internet noch auf Nachrichten aus Russland verzichten wollen.
Begonnen zu lesen habe ich Rossija Segodnje, als die digitale Zeitung noch als «Russia Today» firmierte, damals im Jahr 2015. Die russischen Ansichten zum Zeitgeschehen wirkten auf mich ziemlich exotisch, aber äußerst belebend, da sie der Meinungsindustrie im Westen diametral entgegengesetzt waren (und noch sind).
Der politische Vektor von RT war nicht zu übersehen, aber, wie auch der deutsche Staatsfunk sagt, mit einem zweiten Auge sieht man besser. Sogar wenn eines von beiden schielt.
Die «alternativlose» Merkelwelt war zuerst in ein neoabsolutistisches Narrativ abgeglitten und hatte sich in der Covid-Zeit zu einem bräunlichen Systemdiktat verfestigt. Über Russia Today und seinen Ableger RT Deutschland (RTDE) fand ich den richtigen Widerstand – bei Dagmar Henns Ansichten etwa. Bei RT spürte ich eine erfrischende Nähe zum klassischen europäischen Denken von der Aufklärung bis zur Moderne.
So verliebte ich mich in die Erzählweise der Russen. Da war und ist noch nichts vom schnoddrigen West-Stakkato einer «Bild». Nichts von der gestelzten Belehrungssprache in «ZEIT», «FAZ», «SZ» und wie sie alle heißen (vom Staatsfunk ganz zu schweigen).
Die Russen sind in Sprachführung, Wortmelodie und Metaphern modern und klar. Die literarische Tradition eines Tolstoj oder Bulgakow, die Musikalität eines Tschaikowski oder Prokofiew schwingen immer mit.
RT Deutschland bemüht sich um eine gepflegte Übersetzung der russischen und englischen Originalbeiträge frei von lästigen Anglizismen. Die deutschen Mitarbeiter Henn, Rupp, Ungar, Kneissl machen Klasse Journalismus, die Russen sowieso.
Seit Beginn der «militärischen Spezialoperation» im Donbass am 24. Feber 2022 muss ich RT täglich lesen, um den Fallen der Kriegspropaganda wenigstens halbwegs zu entkommen.
Dank RTDE, die ich liebevoll „die Russenzeitung“ nenne, rückt sich das Bild von der Gesamtlage wieder gerade. Eine Lage, die längst über die Menschenschlacht im Osten Europas hinausgeht.
Und außerdem: Schaut Euch diese Frau an! O Margarita.