Preiset einander.
Dass Orden und Auszeichnungen nur die eigenen Auserwählten bekommen zur Stärkung des eigenen kollektiven Ich, ist ziemlich klar und altbewährt. Eisernes Kreuz mit Eichenlaub, der Ritterschlag zum Sir, Held der Sowjetunion, usw.
Doch das postmoderne Europa hat es nicht so mit Orden und Helden. Dafür werden umso mehr Preise und Ehrungen vergeben. Ging ja lange gut. Doch seit einiger Zeit scheint der Narzissmus der Eliten und ihr Bedarf, sich die Dinge zurecht zu lügen, übermächtig geworden zu sein.
Die Selbstreferenzialität oder die eigene „Blase“, wie man heute sagt, ist dabei so weit auf die Spitze getrieben, und die Preisbegründung steht so sehr in Widerstreit mit Realität und Wahrheit, dass das sogar für das breite Publikum zum Ärgernis wird.
Die großen Preisverleihungen stehen klar im Dienst von Ideologie und Propaganda.
Beim Nobelpreis für Machado zum Beispiel. Geradezu zynisch, wenn man diese Auswahl der Norweger gegen den darauf folgenden räuberischen Coup der USA in Venezuela hält.
Oder wenn die ungewählte EU-Kaiserin Ursula von der Leyen in Aachen den Karlspreis bekommt, dafür, dass sie ein Friedensprojekt, unsere Union, in ein autoritäres Kriegsprojekt gegen Russland verwandelt.
Oder wenn die NATO, die sich seit 1991 bis an die Haustür von Moskau ausgebreitet hat, mit dem Westfälischen Friedenspreis bedacht wird. Die Meldung vom 2.10.26:
„Das historische Rathaus in Münster war am Donnerstag Schauplatz der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an das NATO-Militärbündnis. Bundeskanzler Friedrich Merz hielt die Festrede auf NATO-Generalsekretär Mark Rutte. Dabei betonte Merz die Bedeutung militärischer Abschreckung gegen Russland. Er erklärte, die Allianz habe einen Krieg verhindert, warnte vor einer russischen Expansion und forderte nachdrücklich die Fortsetzung der Ukraine-Hilfe.“ (RT Deutsch)
Die Reaktion auf diese neuerliche Wirklichkeitsverdrehung durch Merz ließ nicht lange auf sich warten: Buhrufe und Pfiffe für die Würdenträger am Balkon.
Unter dieser staatstragenden Ebene gibt es dann och unzählige „systemerhaltende“ Preise. Eklatanter Fall in Deutschland: Staatsjournalisten, die eigentlich für Tatsachentreue und nüchternen Ton stehen müssten, werden neuerdings ausgezeichnet, wenn sie keifend die gewünschte Gesinnung hoch halten und verbreiten. Etwa wie diese Dame hier.
Meldung vom 2.10.26:
„Der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis steht für journalistische Distanz. Nun wird ausgerechnet die ZDF-Polit-Aktivistin Dunja Hayali geehrt – trotz zahlreicher publizistischer Fehltritte. Die linksmediale Blase zeichnet sich einmal mehr für ihre eigene politische Haltung aus. Belohnt wird damit nicht Distanz, sondern die richtige Gesinnung.“ (TICHYS EINBLICK, (Josef Kraus)
Die Reihe Orwellscher Missetaten könnte beliebig fortgesetzt werden. Für unsere Gegend ist der Gatterer-Preis ein schönes Anschauungsfeld für die elegante Verstrickung von Politik, Selbstlob und Seilschaften, siehe dekas.blog „PREISET EINANDER I“
Tipp
Einen satirisch-netten und treffenden Artikel zum westfälischen NATO-Friedenspreis hat Jochen Mitschka verfasst auf tkp.at