NACHHALTIG

10. Juli 2024

«Worte machen Menschen» Je hastiger, wegwerfiger und schonungsloser unsere Lebensweise ist, desto mehr reden alle von „nachhaltig“.

Es ist eines der schönsten deutschen Wörter – und (auch deshalb) einer schonungslosen (heute sagt man nachhaltigen) Inflation unterworfen. Je hastiger, wegwerfiger und schonungsloser unsere Lebensweise ist, desto mehr reden alle von „nachhaltig“. Das Streben nach Beständigkeit und Wert mischt sich dabei mit der Beschönigung von neuer Prasserei. Jedenfalls mag man es schon gar nicht mehr hören, so nachaltig hallt die Nachhaltigkeit nach. Erfunden hat das Wort ein Freiherr aus der Barockzeit, der ein Lehrbuch der Forstwirtschaft geschrieben hat. Bäume wachsen bekanntlich nach, aber langsam, und gewiss sollte man einen Wald vorausschauend so bewirtschaften, dass ein beständiger Ertrag gesichert ist: nachhaltig eben. Wir Tiroler kennen den Ausdruck schon lange, setzen aber a bissl anders an. „Des Bratele hepp epper long nooch“, staunt einer, wenn ihn eine Mahlzeit über den ganzen Tag hin satt macht. Auch nachhaltig, gell?