Alexei Nawalny, ein tragischer Held Russlands.
Dieser Beitrag von Georg Dekas erschien erstmals auf nuis.it (jetzt dekas.blog) im Feber 2024. Aus aktuellem Anlass (Münchner Sicherheitskonferenz) wieder aufgelegt.
Es liegt in der Natur des modernen Krieges, dass mit allen Mitteln und auf allen Ebenen gekämpft wird: Dazu gehört auch der Einsatz von Idolen als Kriegswaffe. Ein solches Idol war Alexei Nawalny († Feber 2024). Ein Mann mit Charisma und Leidenschaft. Ein wortgewandter Mann. Ein schöner Mann. Die Idealbesetzung für ein Hollywood-Epos. Ein Doktor Schiwago, genau 100 Jahre später.
Stellen wir uns vor, die Sache sei so gegangen: Dramaturgen werden auf Alexei aufmerksam, als er noch pan-slawisch dachte in der Partei Narod (Volk). Ein geheimes Team vom MI6 macht sich auf den Weg. Nawalny wird zum Image-Star aufgebaut. Er schlägt ein. Aber ebenso geheim und geschickt schlägt das Imperium zurück. Aus den hinteren Reihen. Nervengift Nowitschok. Die Idol-Waffe Nawalny ist schwer getroffen. Das Imperium erlaubt, sie zur Reparatur nach Deutschland zu bringen (Psy-op auch das).
Der Held
Jetzt beginnt der Helden-Akt des Alexei Nawalny. Er hätte sagen können, jetzt ist genug. Seine Familie war bei ihm, Einiges hatte er erreicht, die Dramaturgen vom Globe-Theater waren nicht unzufrieden. Doch für einen echten Russen wäre das alles ehrlos. Alexei Nawalny ist ein echter Russe. So stellte er seine Ehre und sein Mutterland über sein eigenes Leben. Deshalb ging er sehenden Auges zurück in die Heimat. Wie Jesus Christus nach der Nacht im Garten Gethsemane ließ er sich von den Häschern des Hohepriesters gefangen nehmen und trat den arktischen Kreuzgang an, den sicheren Tod vor Augen. Ein wahrer russischer Held. Aber eben auch ein Mann, der vom Feind gezielt als Idol aufgebaut und als Kriegswaffe gegen Russland eingesetzt worden war. Nawalny wollte seine Mission zu Ende bringen. Er war ein Jesus und ein Samurai zugleich.
Die Waffe
Das Imperium konnte Nawalny nicht anders sehen denn als Torpedo, das er tatsächlich war (altmodisch gesagt ein Verräter). Ein tödliches Geschoss, das von einem – sagen wir, britischen? – U-Boot aus auf den Flugzeugträger „Wladimir“ abgefeuert worden war. Alle Flugzeugträger kennen sich mit U-Waffen aus, die aus Stahl und die aus Herz, die Granaten und die Idole. Imperien wissen, wie man sie einsetzt und wie man sie abwehrt.
Das andere Imperium
Das Imperium hinter dem Etikett USA hat Kennedys ermordet, Kommunisten gejagt, hat die Zwillingstürme gesprengt und Regierungen auf der halben Welt geköpft. Die USA haben Guantanamo statt Gulag und die gleichen skrupellosen Geheimdienste wie alle Mächte dieser Welt. Die USA haben ihren Julian Assange, der Kriegsverbrechen im Namen des Staates aufgedeckt hat (Wikileaks), sie haben ihre Angriffskriege, sie haben ihr Afghanistan, sie haben ihre ferngesteuerten Mord-Drohnen und noch viel mehr.
Von Amerika und seinem Gefolge dürfte es überhaupt keine hochmoralischen Schuldsprüche in Richtung Putin geben. Ach, ich vergaß, die deutschen Krokodilstränen auf den Tod unseres Helden Alexei stehen längst schon fest im Drehbuch Nawalny.
Anmerkung im Feber 2026: Apropos „hochmoralische Schuldsprüche in Richtung Putin“: Das coole Verhältnis von Donald Trump zu Wladimir Putin beruht auf einer bewussten Herabstufung dieses woken Hypermoralismus, dem die EU-Deutschen Merz, v.d.Leyen und Wadephul noch immer anhängen (sie sind eben Endsieg-verwöhnt).