LASS IHN REDEN DEN MERZ

15. Februar 2026

MSC 2026 – Großes Schaulaufen der Worte in einem Münchner Hotel.

Angepriesen und hochgelobt wird die Münchner Sicherheits-Conferenz (MSC) wie in den fernen 1990ern, als die USA und die Russische Föderation noch miteinander im Dialog standen.

Doch inzwischen ist etwas zerbrochen. Man erinnert sich an Putins Aufkündigung im Jahr 2007. Aus Frust nach den vielen und vergeblichen Bemühungen Russlands, dem Westen Bruderschaft anzubieten. In Amerika hatte man mit dem Fall der Sowjetunion das „Ende der Geschichte“ ausgerufen und wähnte sich The Master of the Universe.

Heuer, 2026, tritt Marco Rubio, der US-Minister im Auswärtigen Amt (Secretary of State) beim MSC an, um zu sagen, dass die Geschichte doch kein Ende hat. Will sagen, Russland ist wieder da und Amerika will nicht mehr Master und Zahlmeister of the Universe sein.

Russland ist wieder da – diesmal nicht als Bittsteller, sondern als Macht, Arm in Arm mit China und die BRICS im Gefolge. Die Föderation leidet nicht mehr unter planwirtschaftlich sozialistischer Schwerfälligkeit. Russland wird stetig effizienter und ist überlebensfit wie immer. Dafür sorgen die zwanzig Sanktionspakete der EU seit dem Beginn der Operation Z in der Ukraine. Die Sperre von technischen Gütern und Dienstleistungen haben Russland weh getan (mehr noch die Ächtung von russischen Musikern, Künstlern und Athleten), haben den Staat aber nicht zu Fall gebracht, wie das in Brüssel beabsichtigt ist. Joe Biden und Brüssels von der Leyen haben Russland sogar einen Gefallen getan: Das Riesenland im Osten, früher eine Zweigstelle von McDonalds, hat sich in allen vitalen Bereichen auf eigene Füße gestellt, hat neue Verbündete gesucht und gefunden.

Russland ist wieder da – als allgegenwärtiger Schauergeist im Münchner Nobelhotel Bayerischer Hof. Alles, was der deutsche Kanzler Friedrich Merz in seiner Eröffnungsrede sagen zu wollen meint, hat den unsichtbaren Russen Putin im Nacken – und die gut sichtbare Russin Nawalnaja im Publikum. Plump, wie es nunmal deutsche Art ist, haben die Nato-Falken (passend zum antirussischen Leitmotiv der Konferenz) die blonde Witwe des armen, heldenmütigen Alexei Nawalny wieder aufgestellt, fast wie in einer Schaubude. „Er wurde vergiftet.“ Die Frau legt Gutachten vor. Die milliardenschwere Vorbereitung eines Krieges, der wohl das dritte Mal von deutschem Boden aus gegen die Russen geführt werden soll, muss dem Volk schließlich durch Rühren in den Tiefen der Abscheulichkeit als „alternativlos“ eingebrannt werden.

Das jedenfalls gehörte zum Skript für den atlantischen „Actor“ Frederic Merz, noch bevor Daddy Donald so derart unverschämt ungemütlich wurde mit Greenland, Maduro und den Hammerzöllen auf deutsche Waren. Den Kauf von US-Waffen, von US-Gas und Venezuela-Öl für die eigene Aufrüstung, das alles wollen die Brüssler Musketiere ja gerne schlucken, sie beteuern es dem Rubio dienstfertig in München.

Aber wenn einer den Export von deutschen Autos und Maschinen blockt, dann ist das auch für den wendigsten Masochisten zu viel – nein, „too much“, wie es die Deutschen in ihrer neuen Sprache sagen. Der windschlüpfrige Mal-So-Mal-Anders-Sager Merz ist in einer ziemlichen Zwickmühle. Einerseits muss er dem Daddy drüben überm Teich ganz schön schöntun („wir bleiben treue Verbündete“), andererseits kann er gar nicht anders als markieren, dass der Club der 27 in Old Europe seine eigene geostrategische Berechtigung und auch seine Ziele hat.

In den wortreichen Reden der Konferenz ist völlig offen geblieben, wie sich die EU und Deutschland etwa anstellen, wenn ihnen Trump Grönland vor der Nase wegschnappt, oder wie sie die von Merz beschworene Europa-Filiale der Nato überhaupt hinkriegen. Scheinbar haben Merz und Meloni eine neue Achse Berlin-Rom im Auge – das muss sich der Geschichtler doch tatsächlich auf der Zunge zergehen lassen! Oder wie sie die Industrie des eigenen Landes (gleich ob Rüstung oder nicht) ohne günstige Energie überhaupt wieder vom Arsch auf die Beine bringen.

Außer vielen, vielen, vielen Worten und schmalzigen Rede-Rosenkränzen ist in der Münchner Hotel-Lobby nichts auszumachen, was nicht nach Stöcke-Schlagen in der Finsternis und nach Angstschweiß riecht. Aber ja, lass ihn reden, den Merz.