1896 | SO BEGANN DAS MODERNE OLYMPIA

8. Februar 2026

Politische Hochspannung vor den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit.

Bozner Nachrichten, Mittwoch, 29. Jänner 1896, 3. Jg. Nr. 22, Seite 2

Griechenland. Olympische Spiele zu Athen. Im heurigen Jahre werden in Athen internationale olympische Spiele abgehalten werden. Diese Spiele sollen nicht eine Wiederbelebung der klassischen olympischen Spiele sein, sondern werden in einem modernen Gewande zur Erscheinung kommen. Von den althelenischen Leibesübungen werden nur der Lauf, das Diskuswerfen, der Sprung und das Ringen, sowie das Schwimmen, die letzteren auch entsprechend verändert, ihren Platz finden. Dazu kommt dann Turnen, Fechten, Revolver-, Pistolen- und Gewehrschießen, Velozipede-Fahren, Lawn-Tennis, Cricket und Fußball, sowie vom Wassersport Segeln und Rudern.

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Olympische Vorkämpfe.

Die zu Olympia geplanten Kämpfe haben schon vor dem ursprünglich festgesetzten Termin begonnen, doch war das Vorspiel nur ein Match zwischen Deutschland und Frankreich. Das Resultat dieses Vorspieles dürfte sein, daß die so großartig gedachte Neubelebung der olympischen Spiele in diesem Frühjahr kaum erfolgen wird. Die Ursache zu dieser Thatsache ist die Politik, das heißt eine kleine Malice Frankreichs gegen Deutschland, die freilich ersterem keine Revanche für Sedan gebracht hat. Die geschäftliche Leitung der ganzen Angelegenheit befindet sich nämlich in französischen Händen und in Paris hatte man es für überflüssig gehalten, deutsche Herren in das internationale Comite zu wählen. Die Antwort war, daß achthundert deutsche Vereine erklärten Olympia fern zu bleiben. Da nun aber Deutschland allein mehr sportliche (speziell Turn-) Vereine besitzt, als der ganze übrige Kontiment [sic], so bedeutet diese Erklärung einen Krach des Projektes im vollsten Sinne des Wortes, wenn nicht die Deutschen in letzter Stunde Großmuth üben. […]

Dr. Gebhardt [Befürworter der Spiele] erzählte zunächst die Geschichte der ganzen Bewegung und sah vor Allem in der Ehrenrettung des Baron Coubertin seine Hauptaufgabe. Er verlas unter Anderem die vielfachen Dementis des genannten Herrn, in denen er die ihm zugeschobenen feindseligen Aeußerungen über Deutschland entrüstet zurückweist. Ein großer Theil der Mißstimmung, die sich in deutschen Turner- und Sportkreisen geltend gemacht habe, beruhe auf falschen Voraussetzungen und Mißverständnissen, die jetzt im Wesentlichen geklärt seien. Das internationale Comite habe neuerdings mitgetheilt, daß es mit Vergnügen einen deutschen Vertreter, der zur Zeit im Comite noch fehlt, begrüßen würde und von Athen sei die Zusicherung gekommen, daß Deutschland auch im Schiedsgericht eine würdige Vertretung finden werde. […] Es sei daher zu hoffen, daß Deutschland sich doch noch an den olympischen Spielen in Athen betheiligen […] werde.

Dokumentationsquelle digital.tessmann.it