Eine kleine Geschichte des Kaffee*. Warum der deutsche Kaffee mehr als nur heißes Wasser ist.
Arabica und Koffein sind nicht alles beim Kaffee. Es muss im Verlauf der Geschichte noch ältere Arten des „Kaffee“ gegeben haben. Und tatsächlich, es gibt diese Art von Kaffee ja noch heute. Noch ist er nicht ausgestorben, der Feigenkaffee, der Gerstenkaffee, der Zichorienkaffee. Sind alles gedörrte und geröstete Früchte, Wurzeln und Getreidekerne, seit jeher bekannt und jeweils leicht verfügbar.
Eine besonders nette Geschichte hat der Zichorienkaffee. Die Zichorie ist botanisch gesehen nichts weiter als die gemeine Wegwarte. Ein medizinischer Tausendsassa. Die Hochburg der Zichorie war Deutschland, und näher: Braunschweig und Magdeburg.
Die Gegend um Magdeburg ist eine «Börde», eine Hügellandschaft mit extrem fruchtbarer Schwarzerde. (Mehr dazu in ‚Woher kommt der Zucker?‘, demnächst). Diese Magdeburger Börde war schon 1765 als „preußischer Kaffeegarten” bekannt. Warum? Im damals preußischen Magdeburg wurde auf Betreiben von König „Fritz“ gewerblich Zichorie angebaut (700 Beschäftigte), um die Wurzel zu dörren, rösten, mahlen und daraus einen preiswerten Kaffe zu gewinnen, der gut tat und unabhängig von Importen war. (Näheres bei Wikipedia, Eintrag Kaffeeähnliches Getränk (Muckefuck“).
Mehr als nur Kaffeeersatz
Sicher war der «echte Bohnenkaffee» ein fast unerschwingliches Luxusgut, was den Anbau der Zichorie förderte. Trotzdem sollte man den Zichorien-Kaffee nicht wie gewohnt als «Kaffeeersatz» werten. Geröstete Wurzeln oder Samen waren immer schon und sind auch in Zukunft eine eigene und gesunde Art, das Volksgetränk «Kaffee» zu genießen.
Morgen in der nächsten Folge: Der Feigenkaffee
Fussnote
*) Hier „des Kaffee“, obwohl es grammatikalisch korrekt im Deutschen heißen müsste: „des Kaffees“ – Genitiv, markierungspflichtig. Allerdings ist der Genitiv im Schwinden begriffen, was ich hier eigenmächtig ausnutze.
Die Begründung bekommt einen eigenen Beitrag, später einmal.