Victor Orban, der Regierungschef Ungarns, ist ein viel beneideter Mann. Eine Würdigung und, so nebenbei, eine Medienkritik.
Wer die Entwicklung der ungarischen Demokratie seit dem Berliner Mauerfall vom November 1989 etwas sorgsamer ansieht, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Nicht nur, dass die Ungarn mit ihrer liberalen Grundhaltung wesentlich zum Fall der sowjetischen Satellitenregime hinter dem ehemals eisernen Vorhang beigetragen haben, nein, sie haben beherzt die neuen Freiheiten genutzt und eine parlamentarische, verfassungsmäßige Demokratie aufgebaut, deren Erfolg weithin sichtbar ist. Diese Freiheit in Selbstbestimmung trägt den Namen von Viktor Orbán* in unverkennbarer Signatur. Viktor Orban ist eine gute Naturgewalt. Ein Kämpfer, der schon gegen den Sowjetkommunismus alles riskiert hat, kein Apparatschik also, kein windschlüpfriger Konformist, wie wir sie herüben mittlerweile gewohnt sind und aushalten müssen.
Viktor Orban hat demokratische Maßstäbe gesetzt: Lupenrein gewählte Mega-Mehrheiten im Parlament über Wahlperioden hinweg – und das in konträrer Richtung zum amerikanisierten Westeuropa, wo man gesunde demokratische Mehrheiten gar nicht mehr kennt, nur mehr krankes Koalitionsgewusel. In der Europäischen Union hat Viktor von Anfang an klar gemacht, dass Ungarn kein bittstellendes Anhängsel, sondern ein Faktor ist.
Im August 2015 schlug dann die staatsmännische Sternstunde für Viktor Orban. In scharfem Gegensatz zur damaligen Führerin Großeuropas, Frau Merkel, sagte Orban zu den Massen an orientalischen Flüchtlingen am Budapester Bahnhof: ‚Hier könnt ihr nicht bleiben. Entweder weiter nach Deutschland, wo ihr hinwollt, oder den ganzen, langen Weg zurück‘. Die Ungarn standen hinter ihm wie eine Eins.
Budapest: Stolze Magyaren (c) dege 2009
In den herrschenden Kreisen Berlins und Brüssels hat er sich damit unversöhnliche Feinde gemacht. Diese Feindschaft drückt sich aus in einer beispiellosen, langjährigen Rufmord-Kampagne gegen das konservative, volkstümliche Ungarn unter der meisterhaften Leitung ihres Dirigenten Viktor Orban.
Die EU-Staaten des vormaligen „Westens“ stellen Orban und seine Partei Fidez als autoritär und repressiv hin. Was für die Ungarn eine lebensrettende die Abgrenzung zur woken Ideologie ist, das gilt den Propagandisten vom Schlag eines Soros und von der Leyen als reaktionär und illiberal. Die Bürokraten Brüssels bereiten ein um das andere Verfahren vor, um die Budapest zustehenden EU-Gelder zu verzögern oder zu streichen. Und, lässt sich der Orbán weichkochen? Nein, im Gegenteil.
Viktor Orban nutzt den turnusmäßigen Vorsitz seines Landes im EU-Rat, um als Erster und Einziger hinüber nach Russland zu fahren, zum (vom EU-Westen verunglimpften) „Bluthund“ Putin und gleich darauf über den Atlantik, hinüber zu dem (vom EU-Westen verunglimpften) „Großmaul“ Trump. Orban hat mit diesen beiden politisch waghalsigen, aber richtigen Fahrten den Friedensprozess in der Ukraine gegen alle Widerstände Brüssels eingeleitet; hat einen Faden gelegt, den die beiden Besuchten aufgenommen und weiter gesponnen haben bis auf den heutigen Tag. Und, bekommt der Orban dafür eine Preis? Nobel, Karl, sonst was? Nein? Aber doch wenigstens ein bissl Anerkennung? Auch Nein? Na gut, ein ganz kleines bissl kommt aus Rom (Italien ist in Überlebensfragen weitblickender als Deutschland und steht in dieser Hinsicht den Magyaren näher). In Panzer-Deutschland wird Viktor Orban stur und monoton als Staatsfeind behandelt und beschrieben.
Mit Ausstrahlung bis zu uns herein (Südtirol). Lese ich doch in der „Dolomiten“ am 21. Jänner 2026 auf der Kulturseite ein seitenfüllendes Interview mit einer völlig unbekannten, älteren und sehr deutsch wirkenden Dame, die in einem Buch aus ihrer Feder Orbans Ungarn aufs Korn nimmt, ganz nach den Regeln des Orban-Bashings. Das Interview leidet unter einer seltsamen Spiegelkrankheit. Fast alles, was die publizierende Dame an Ungarn und dem Gebaren Orbans auszusetzen hat, finden wir hier bei uns, aber da liegt ihr blinder Fleck. Den Orban aber klopft sie auf die Finger und gibt die moralisch Überlegene (faktisch häufig falsch und ethisch sowieso fragwürdig). Hier nur eine der vielen Spiegelverkehrtheiten aus besagtem Interview. Frage: Welchem Druck sind die Medien in Ungarn ausgesetzt? Antwort (die ja schon in der Suggestiv-Frage vorgegeben ist) „Der Druck ist hoch“. Und dann: „Über Werbeaufträge hat die Fidesz-Partei ein Kordon von Propagandamedien um sich herum aufgebaut, die ohne den Staat gar nicht existieren könnten“. Die pralle Propagandasprache einmal abgezogen – wer würde in Aussagen wie dieser nicht ein durchaus vertrautes Bild aus der Heimat wieder erkennen?
Unsere Südtiroler Medien, von RAI Südtirol über Dolomiten und ff bis zur Tageszeitung vom Tribus, sie alle hängen massiv und direkt am Geld des Staates (und mittelbar an der EU); Geld, das die jeweils herrschende Partei (-formation) austeilt. In Wien ist das nicht anders (Affäre Kurz). Ob das dann als „Kordon“ (à la Covid) oder als freie „Medienvielfalt“ (auf dem Papier) wahrgenommen wird, das ist Sache des politischen Blickwinkels. In einer offenen, durch keine Brandmauern künstlich gestutzten Demokratie bestimmt diesen Blickwinkel jeder Bürger eigenständig, so wie es ihm vorkommt.
Sicher ist, dass auch im alten Westen kein vom Staat alimentiertes Medium gegen seinen Hauptgeldgeber schreibt, spricht und sendet. Und wenn die Mittel zuweisende politische Kraft eine mit satter demokratischer Legitimation ist, wie die Regierungsmehrheit im Parlament zu Budapest, dann wirkt die Idiosynkrasie der zitierten Bücherdame noch einmal so krass. Moral von der Geschicht‘: Ein jeder kehre vor seinem Tor und werfe den Schmutz nicht anderen vor.
*) Viktor Orbán: Für die nackten Daten siehe Wikipedia; allerdings spiegelt und spinnt dieser Wikipedia-Artikel die EU/bundesdeutsche Wertung, der entschieden widersprochen werden muss.