1936 | DAS OLYMPIA DER NEUMODISCHEN WÖRTER

9. Februar 2026

Vor 90 Jahren Winterspiele in Garmisch. Federfuxer gegen „Olympiade“ und „Stadion“.

Innsbrucker Nachrichten, Samstag, den 8. Februar 1936, Seite 10

Sprachecke.

Die „Olympischen Spiele“.

Nun sind wiederum die neuzeitlichen „Olympischen Spiele“, die heuer als „4. Olympische Winterspiele“ in Garmisch-Partenkirchen und als „11. Olympische Spiele“ in Berlin abgehalten werden, in aller Munde und erfreuen sich verschiedener Namen, besonders in der Presse. Die „Olympischen Komitees“ halten sich zwar im allgemeinen in ihren amtlichen Ankündigungen und Mitteilungen, wenigstens in den deutschsprachigen, an die eingangs gebrauchten richtigen Bezeichnungen. Sonst aber herrscht ein krauses Kunterbunt.

Am beliebtesten ist die „Olympiade“ und die „Winterolympiade“. Dennoch sind sie falsch; denn „Olympiade“ bedeutet auch heute noch die vierjährige Zwischenzeit zwischen den Olympischen Spielen des griechischen Altertums und kann daher für die Olympischen Spiele selbst, einerlei ob für die alten oder die „modernen“, nicht verwendet werden. Freilich bedient sich auch der Franzose Coubertin, der Gründer dieser Kampfspiele, mit Vorliebe dieses falschen Ausdrucks, obwohl im Französischen derselbe Unterschied zwischen „Olympiade“ und „jeux olympiques“ besteht.

[…]

Alles, was zu diesen „modernen“ Olympischen Spielen gehört, erhält die Beifügung „olympisch“ oder wird mit „Olympia“ zusammengesetzt. Da sie zum Unterschied von den alten Olympischen Spielen, die rein griechisch-völkische Fest- und Kampfspiele waren, eine „internationale“ und zudem eine sportliche Angelegenheit sind, spielen in ihren Einrichtungen und in ihrem Schrifttum auch die Fremdwörter eine große Rolle. Da gibts vor allem das „Internationale Olympische Komitee“ als oberste Stelle, dann hat jeder Staat — „Nation“ genannt — sein eigenes, also Oesterreich das „Oesterreichische Olympische Komitee“, und jedes österreichische Bundesland hat seinen eigenen „Olympiareferenten“ oder sein „Olympiareferat“. Und im Jahre der Abhaltung der Olympischen Spiele hat das „Olympische Komitee“ jeder teilnehmenden „Nation“ — wie im hohen diplomatischen Dienst — einen „Olympischen Attaché“ namhaft zu machen und beim „Organisationskomitee für die Olympischen Spiele“ zu „akkreditieren“!

Selbstverständlich dürfen auch die Lieblingswörter der Sportleute „Training“ und „Start“ nicht fehlen. Die Olympiamannschaften „trainieren“ in „Olympia-Trainingslagern“ unter Anleitung von „Olympiatrainern“ oder sie „absolvieren“ dort das „Olympiatraining“ und sogar die Turner, die immer auf eine gute, reine Sprache gehalten haben, müssen (heuer „erstmalig“) „an den olympischen Start gehen“!

Und während man in den letzten Jahren manchenorts die „Stadien“ durch „Kampfbahnen“ o. ä. ersetzt hat (auch das ehemalige Berliner Stadion erhielt den Titel „Deutsche Kampfbahn“), errichtete man in Garmisch-Partenkirchen ein „Olympia-Kunsteis-Stadion“ und ein „Olympia-Skistadion“!

Die Sieger in den Olympischen Spielen nennt man wie im Altertum „Olympioniken“ – Olympiasieger, und unlängst hat man den Ausdruck „Olympionismus“ geprägt.

Deutscher Sprachverein, Zweigverein Innsbruck.

Dokumentationsquelle digital.tessmann.it