Volksrecht, was für ein Blatt!

Samstag 15. August 2020

 

Die sozialistische Südtiroler Zeitung „Volksrecht“ hatte ein kurzes Leben. Nach dem Großen Krieg in Bozen gegründet, rot und kämpferisch bis ins Mark, wurde sie im Gewerkschaftshaus in der Gilmstraße 15 geschrieben, gesetzt und gedruckt, bis die „nationalen Syndikalisten“, sprich die italienischen Faschisten, das Gewerkschaftshaus besetzten und der deutschen Zeitung den Garaus machten. Die Ausgabe Nr. 100 war die letzte, im Dezember des Jahres 1923.

Das „Volksrecht“ ist eine ganz vortreffliche Zeitung, das muss neidlos anerkannt werden. Dieser Zeitung nimmt man ab, dass es ihr um das Wohl und Fortkommen der kleinen Leute geht und um Redlichkeit der Politik. Die Verve ist die jener Zeit und durchaus auf der Höhe der anderen heimischen Zeitungen. Ein jedes von diesen Blättern ist höchst parteiisch.

Ja, schreiben konnten sie alle damals im K. u. K. Südtirol: die Klerikalen, die Bürgerlichen und die Sozialisten. Kein Vergleich zu heute, das darf man ruhig sagen. Keine Sekunde lang merkt man es dem „Volksrecht“ nachteilig an, dass seine politischen Analysen in einem beschaulichen Provinznest weit jenseits des Weltgeschehens verfasst und in den guten alten Bleilettern der gewerkschaftseigenen Buchdruckerei gesetzt worden sind.

Beispiel „Das Fiasko der Entente“ – große Klasse. Auch jenseits der eigenen politischen Überzeugungen.

Alles online auf digital.tessmann.it Treffend und entlarvend bis heute auch das Stück über den „Schwätzer Salandra“. Weiterlesen in der Abbildung des Artikels.

Salandra im Volksrecht

Ja, die „argen Phantasien“ des Kriegstreibers Salandra sind leider Wirklichkeit geworden.

 

 

 

Die Zeitung „Volksrecht“ hat es nur von 1920 bis 1923 geschafft. Exakt bis zur Nummer 100. Kaputt gemacht von den Faschisten.