Virus | Das neue böse Denken 

Dienstag 24. November 2020

Ich hatte gehofft, nicht mehr über das Für und Wider von Verordnungen schreiben zu müssen, die der Staat und seine Organe im Zuge der Bekämpfung des Covid-19-Virus erlassen – zu sehr gehen die Meinungen im politischen Feld auseinander. Doch jetzt treibt mir ein Beitrag auf dem hiesigen Portal suedtirolnews.it das blanke Entsetzen ins Herz. Da gibt eine junge Krankenschwester aus Italien im Video etwas von sich, das ganz finstere Zeiten wachruft: Wer ein „Coronaleugner“ sei, der solle nicht mehr ins Krankenhaus dürfen. Der Gedanke dahinter ist kalt und böse: Wer nicht passt und pariert, der wird ausgestoßen und kann ruhig verrecken. So redeten und handelten grausame Diktaturen: Vom „Wer nicht arbeitet, soll nicht essen“ der Bolschewiken bis zum unwerten Leben der Nazis.

Die junge Frau ist mit ihrem spontanen Gesundheitsfaschismus nicht alleine. In der Schweiz fordert ein „Gesundheitsökonom“ (!) namens Oggier öffentlich, die Corona-Verharmloser namentlich zu erfassen und ihnen die klinische Intensivbehandlung zu verweigern. Auch in den Foren der lokalen Portale sind Gedanken dieser Art schon länger im Verkehr. Dieses neue böse Denken macht der Chefkommentator von suedtirolnews.it zur Blattlinie und setzt ihm damit buchstäblich die „Corona“, die Krone auf. Der Mensch, der sich hinter dem Kürzel „mk“ versteckt, hat nicht nur Verständnis für den Wut-Kack der Videoschwester, sondern bedauert, dass die Verweigerung von ärztlicher Hilfeleistung „in einem Rechtsstaat wohl nicht umsetzbar“ sei. Da verschlägt es einem den Atem. 

Wäre das nur eine Entgleisung, die aus den Eingeweiden kommt oder dem Arbeitsdruck der klinischen Mitarbeiter geschuldet ist! Wäre es nur etwas, das auf dem üblichen Pöbelniveau in den Socials und Foren herumgeistert. Doch diese Gedankengänge reihen sich in einen immer größeren politischen Zusammenhang ein, so dass es nicht mehr übertrieben scheint, darin die die ersten Anzeichen eines neuen Faschismus zu sehen. 

In seinem putzigen Goldfischglas liefert der Südtirol-Njusler mehr als nur ein Indiz. Nehmen wir etwa den Satz: „Wer Fakten ignoriert, ist nicht fähig eine Diskussion zu führen“. Das ist verhüllend. Im Klartext heißt es: ‚Wir bestimmen, was Fakten sind und wer dem widerspricht, wird ausgeschlossen. Wieder das Kopf-ab-Schema. Der Staat und seine Presse machen die Wahrheit: „Alles andere ist eine Lüge“ (suedtirolnews.it).

Wahrscheinlich ist dem elektronischen Blattmacher gar nicht bewusst, was er sagt. Wie sonst käme auch dieser sinnfreie Gedanke zustande: „Das Virus ist eine ernsthafte Gefahr (…) die sich nicht so einfach wegsperren lässt.“ Und dann dieses Mantra: Das „Gesundheitswesen“ (also die hochtechnisierte Medizin und ihre Häuser) müssten als Erstes geschützt werden. Das ist doch eine rein technokratische, völlig inhumane Geisteshaltung.  Als ob wir Menschen für die Apparate da seien und nicht die Apparate für uns. Das ist totalitär vom Reinsten.

Würde jemand meinen, dass wir uns alle nach Möglichkeit vor einer Ansteckung schützen sollten, um schweren Fällen eine Intensivbehandlung möglichst nicht zu verbauen, dann wäre die Sprache eine andere.  Und sich bestmöglich schützen, genau das haben ja alle getan, als noch gar nicht über das neue Virus bekannt war. Nur kann das Leiden der Intensivpatienten nicht dazu verwendet werden, um das freie und vorurteilslose Forschen und Denken zu Covid-19 zu verbieten und zu ächten.

Reden wir in einem Jahr weiter über die wirklichen Gefahren für die Menschheit und was sonst noch auf uns zukommt. #Alleswirdgut rückt leider immer weiter weg.