Das gescholtene Internet gefällt.
Am 12. Mai erscheint ein YT Short Video, in dem General und EU-Abgeordneter Roberto Vannacci im Brüssler Parlament spricht (Kanal Scenari Globali). Das Video hat am 18. Mai 74.452 Zähler.
Titel:
Vannacci: Se non sei al tavolo allora sei nel menù
(Vannacci: Bist du nicht am Tisch, dann bist du auf der Speisekarte)
Erster Satz:
0:00 Dice un vecchio proverbio se non sei al tavolo allora sei nel menù Oggi in quest’aula avremmo dovuto parlare di pace e invece le …
(Ein altes Sprichwort sagt…)
Wenig später, am 16. Mai, erscheint ein politischer Kurzkommentar von Stephan Kaußen auf Seite 1 der «Dolomiten». Titel:
Was dem droht, der nicht am Tisch sitzt…
Erster Satz:
Kennen Sie diesen Spruch? Wer nicht mit am Tisch sitzt, droht, auf der Speisekarte zu landen. Genau in dieser Situation befindet sich Europa…
Der Italiener spricht sich gegen die Aufrüstung und das Kriegstreiben der EU aus, der Deutsche hingegen indirekt für die Aufrüstung (auf dass die EU nicht auf der Speisekarte von Trump und Jinping lande).
Die Wahl des Einstiegs kann kein Zufall sein. Für mich steht außer Frage, dass Kaußen das Video von Vanacci gesehen, ihm der Spruch gefallen und er den Spruch für seinen Kommentar zum selben Sachkreis verwendet.
Was in Ordnung geht und gut ist, Motto: Alle lernen von allen.
Nur zeigt sich, dass die Wand viel dünner ist zwischen den «Socials» im Internet und den Papierseiten einer Zeitung, als es der «Qualitätsjournalismus» behauptet. Der sich oft recht abfällig zu den neuen Kommunikationskanälen äußert.
Auch ganz nett:
Am Montag, den 18. Mai bringt die «Dolomiten» ein hausgemachtes Gespräch mit dem deutschen Ökonomie-Professor Hans Werner Sinn – ratet mal unter welchem Titel? Genau, Europa sollte nicht auf der Speisekarte landen, denn am Tisch ist es nicht. Offenkundig haben sich „Dolomiten“-Redakteur Rainer Hilpold und der Professor im Vorfeld besprochen.
An Onorevole Vannacci geht die Ehre, den genau richtigen Spruch zur realen Lage Europas gefunden, in den Ring geworfen und die Welle ausgelöst zu haben.