«NAZI-BRANDMAUER», EIN AMMENMÄRCHEN

Montag 11. Mai 2026

Wär’s nicht Weimar, wär’s zum Weinen

Wieder ist es ein Weiblein, diesmal in Blütenweiß. Der Piatov von BILD setzt es auf die Vorzugsspur, HIER.

Die «Historikerin» darf «erklären», wie die «erste deutsche Demokratie» der Weimarer Republik gescheitert ist. WEIL konservative Parteien in Thüringen (!) einen Ziegel aus der «Nazi-Brandmauer» herausgelöst haben. Damals. Klitter, klitter, igitt, igitter. Da winkt das Weib nicht mit dem Apfel, nicht mit dem Zaunpfahl, nein, mit adrett geschminktem Geschichtsunterricht für die Leserinnen in der Bundestags- und Lufthansa-Lounge.

Man höre die Botschaft: Wenn die CDU auch nur einmal, – höchste Gefahr in Thüringen, 2026 ist 1933! – auch nur einen Ziegel aus der AfD-Brandmauer gegen den schrecklichen Nazi Höcke herauszunehmen wagen würde, dann Pattapumm, fliegt die ganze schöne blütenweiße, fürs historische Fotoalbum frisierte «unsere Demokratie» in die Luft. Wirtschaftskrise und Inflation, die haben wir ja schon, und die, – ja genau! – die haben damals, 1933, zum «Scheitern» geführt. Was für ein Pappenkleister.

O Historie! Die Klasse eines Theodor Mommsen, Oswald Spengler oder Joachim Fest, wo ist sie geblieben? Niedergang auch hier. Das Tagebuch eines kleinen Buchhändlers muss herhalten, um deutsche Geschichte zu schreiben? Das ist Schöner-Wohnen-Wissenschaft, nicht mehr.

Die Frau verkennt die Langzeitwirkung des Diktatfrieden von Versailles und die bedingungslose Abhängigkeit Deutschlands vom amerikanisch-britischen Finanzsystem als die Ursachen der Weimarer Krise (klar, sie «forscht» in England). Das wennschon, wäre eine Analogie zu heute. Aber doch nicht eine parlamentarische Nazi-Brandmauer in Weimar, die gab es schlicht und ergreifend nicht. Vom grundlegenden psychologischen Motiv der Vergeltung für erlittene Schmach und Demütigung liest man nichts.

Interviewer Piatov gebraucht im oben verlinkten BILD-Artikel einen Wertbegriff, der heute mechanisch postuliert wird, so wie in diesem Satz: «Auch von Linksaußen wurde die deutsche Demokratie bekämpft.» Hier wird der Begriff Demokratie zu einer eigenen Entität hochstilisiert, zu einem wesenhaften Prädikat gemacht. Aber Demokratie ist nur die Summe von klugen oder dummen Subjekten und nichts außerdem. Die deutschen Kommunisten der Weimarer Zeit haben das Großkapital und seine Knechte bekämpft, und das in wilden Straßenschlachten, aber nicht «die deutsche Demokratie» – die sie übrigens in einer Diktatur des Proletariats vollkommen verwirklicht gesehen hätten.

Das besitzende Deutschland vom Schrebergärtner bis zum Stahlbaron wehrte sich mit gleicher Münze, nur in Braun, gegen die Enteignungswut von Rot. Um dann vom Börsenkapitalismus bis aufs Hemd enteignet und ins Elend gestürzt zu werden, was für eine bittere Ironie. In diesem Moment zog, nach der nationalen, Hitler seine sozialistische Karte, stach und räumte ab.

Dass in dieser, vom Westen hereinziehenden Notlage, der Weltkriegsveteran Adolf Hitler von Weltkriegsveteran und Präsident Hindenburg mit der Macht im Staate belehnt wurde, ist nun wirklich kein Wunder. Und am wenigsten Schuld daran ist die vermeintliche Aufgabe einer «Brandmauer» durch Konservative im Thüringer Landtag.


Titelbild: Goethes Gartenhaus in Weimar. Foto von dege 2018