Demokratie muss gerecht sein.
Am Tag nach dem Vollabsturz der Merkel & Merz-Christunion in Berlin und Meck-Pom ringt das „Unsere-Demokratie“-System um Fassung. Auch in Südtirol, wo in der Tageszeitung „Dolomiten“ ein Marketingstratege namens Stefan Premstaller die politische Analyse zum spektakulären Wahlergebnis in den beiden bundesdeutschen Teilstaaten anbieten darf.
Premstaller setzt Demokratie gleich mit CDU & Co. Er nennt die Zuwachs-Gewinner der Wahl, die AfD (+21%) und die Linke (+14%), „Anti-System-Parteien“, die Probleme nicht lösen wollen, weil sie von den Problemen der Demokratie leben. Agenturchef Premstaller empfiehlt der hiesigen Landesregierung, nur recht brav und zügig ihre Agenda abzuarbeiten, weil dies das sichere Mittel gegen die politischen Extreme und das richtige Wahlverhalten von potentiell Unzufriedenen sei. Kurz gesagt, Demokratie ist ihm Leistung, Leistung ist Erfolg, Erfolg ist Friede, Freude und Eierkuchen.
Diese Analyse ist in der Sprache der Regierenden verfasst und zum Behelf derselben gemacht, daher geht sie runter wie Öl. Genau das ist gefährlich. Denn die Analyse ist schlichtweg falsch. Und falsch ist sie, weil sie fundamentalen und von jedem Menschen empfundenen Richtwerten zuwider spricht.
Fangen wir bei Südtirol an. Unsere Landesregierung leistet und leistet, sitzt auf einem Berg von Geld und verteilt es mit vollen Händen nach links und rechts. Also dürfte es im kleinen Land an der Etsch keine Unzufriedenheit und keine Parteiextreme geben. Tatsache ist aber, dass die Südtiroler CDU/CSU, die hier SVP heißt, arg beim Schrumpfen ist und sich deshalb nach der letzten Landtagswahl sogar die ultrarechten Italo-Parteien in die Koalition holen musste, obwohl die Heimat-Partei STF (Süd-Tiroler Freiheit) die eigentliche Stimmen-Gewinnerin war und sich eine Koalition mit Mitte-Links (eine der Seelen der SVP) ausgegangen wäre.
Bei der nächsten Landtagswahl droht der SVP in Bozen ein Merz-Deja-Vu. Trotz braver Leistung. Und warum? Weil Demokratie in erster Linie Gerechtigkeit und Wahrheit bedeutet.
In der Demokratie fängt die Gerechtigkeit nicht beim Verteilen des Geldes und dem Zuteilen der Posten an, sondern zu allererst bei der Treue zu sich selbst und dem nüchternen Anerkennen der Stimmergebnisse, gefolgt von einem geradlinigen Umsetzen in reale Politik.
Das Wahlvolk mag es nicht, wenn Stimmengewinner Mal um Mal um ihren Erfolg betrogen werden und die relativen Wahlverlierer sich zusammentun wie die Bremer Stadtmusikanten, um auf allen Vieren zu regieren.
Dafür bekommt Merz jetzt seine Quittungen, und der Bozner SVP wird es ähnlich ergehen, hat sie sich doch auch gewunden und gedrückt um das Wahlergebnis und um die eigene Identität, und ist eine Koalition mit den Erbfeinden eingegangen, nur um nicht mit ihresgleichen teilen zu müssen.
Gerechtigkeit und Ehrlichkeit sind feste Größen der Politik, auch wenn sie physisch nicht auftreten und nur schwer in Zahlen messbar sind.
Das Leben im Luxus ist kein erstrebenswertes Ziel. Umgekehrt kann der Mensch Not sehr gut aushalten, ja daran wachsen. Und was die „demokratische“ Leistung betrifft: Die ist auch trotz Geld und Fleiß recht Mau. In Deutschland eklatant, aber sogar in Bozen, Stichwort Bettenstopp, Großwild, Unterland, Autonomiereform, A22 und mehr.
Die Demokratie wird nicht wegen ihrer Effizienz in Ehren gehalten, da wäre ein Mussolini-System allemal besser. In der Demokratie muss sich das Volk im eigenen Heim wohlfühlen, nicht die Eliten, die „Kunstschaffenden“ und der Jet-Set.
Deutschland und Friedrich Merz hatten nach dem verdienten Absturz der rot-schwarz-grünen Wahnsinnstruppe um Scholz, Habeck, Faeser und Baerbock den Gerechtigkeitsball am Fuß und die Regierungsmehrheit sicher gehabt. Dem Wahlergebnis zufolge hätten sich die bürgerlichen und konservativen Kräfte zusammentun müssen gegen die Grünen, Linken und Roten. So wie es sich gehört. Aber nein. Die Brandmauer. Beruhend auf falschen Analysen wie der heutigen von Stratege Premstaller. Den Salat hat Deutschland und mit ihm Europa.
Das Titelbild zeigt ein Chronik-Foto aus der BILD vom 21. August 2026 und zeigt ein Unglück. Übrig ist ein Autowrack, das sich um den Baum gewickelt hat. Der Lenker überlebte nicht.