MODERNE KUNST IN BOZEN

Dienstag 14. April 2026

„There is a House in…”

Nein, das Museion steht nicht in New Orleans wie die berühmte Spielhölle „The Rising Sun“ im amerikanischen Song, es steht in Bozen, und ist als Museum für die moderne Kunst vom politischen Landesvater und Mäzen Luis Durnwalder eingerichtet worden. Und, weil politisch und Steuergeld und so, halt auch umstritten. Museum und Gegenwart, das ist an sich schon ein Widerspruch (eine „contradictio in adiecto“). Aber gut, als öffentlicher Abstellraum mit vorzüglicher Sichtbarkeit der Erzeugnisse von approbierten Künstlern (die :innen nicht vergessen!) kann es ja angehen, bei all dem, was sonst noch angefertigt und ausgestellt wird in unserer hochproduktiven Ära der Artefakte.

Was eher stört, ist der Anschein einer Blase, in der es sich Insider recht gemütlich eingerichtet haben. Wahrscheinlich machen die Kulturarbeit, gerne für Schulklassen im geschlossenen Kreislauf des Bildungsbeamtentums, wahrscheinlich viele satte PR-Aussendungen, wie die eines distinguierten Paares von den „Private Founders“ jüngst auf der Kulturseite der Dolomiten (Hausherrin Eva Bernhard). Aber irgendwie scheint das Leben und Gedeihen des Landes vollkommen unberührt von der Existenz dieser fashionablen Kunst-Einrichtung in Bozen zu sein.

Die Südtirolbesucher strömen zur Ötzi-Mumie, bestaunen den Schnatterpeckaltar in Lana, die Paul Troger-Fresken, den Dom zu Brixen und die vielen Kirchen, Schlösser, Ansitze und Burgen des Landes, aber vom Museion ist außer dem ekligen Kippenberger-Frosch bisher noch kein kulturpolitisches Signal ausgegangen, von dem die Leute sagen würden, das ist das moderne Südtirol, das muss man gesehen haben.

Der Frosch des Anstoßes

Nun gut, die honorablen „Founders“ werden sagen, wir blicken in die Zukunft, moderne Kunst ist gestaltete Gegenwart und wer eines Tages die Kultur Südtirols in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts bestaunen will, für den sammeln wir im Voraus. Das wäre ein steile Wette, denn wer die physischen Zeugnisse unserer Kultur dereinst suchen und besuchen wird, der wird möglicherweise der Wahrheit in den Ruinen des Twenty und Waltherpark näher stehen als bei dem, was vom Schnuckelbau des Museion übrig ist. Die verödeten Betonstelzen der A22, der falsche römische Triumphbogen an der Talfer, die Luxus-„Hofstellen“ und die geometrischen Hotel-„Oasen“ im Grünen wären auch ganz geeignete Plastiken zur Besichtigung der Gegenwartskunst der 2020er Jahre.

Der Rest ist nicht mehr auffindbar, weil der eletromagnetische Sturm in WKIII alle Server, alle digitalen Inhalte und all das audiovisuelle Zeugs vernichtet hat. Zukünftige Kunsthistoriker auf der Suche nach unserer Gegenwartskunst – wenn es überhaupt noch welche geben wird – könnten vielleicht ein vergilbtes Stück Zeitungspapier finden, wie etwa die Kulturseite der „Dolomiten“ von heute, 14. April 2026. Da werden sie mit der Lupe die Fotos von „zeitgenössischen“ Kunstwerken anschauen und sich schwertun, diese nur als Ausdruck infantiler Spielerei oder schon als Vorboten des kommenden Chaos zu beurteilen.


Bildquellen: Wikipedia, DR