Giorgia schnabelt* zurück
Da machen die einen Gipfel, und am Ende dreht sich alles nur um Schein, Selfies und Socials. Von vorzeigbarer politischer Leistung nix, dafür aber videowirksames Gezeter von Ideli-Präsident Giorgia Meloni; sie habe im Leben nie um ein Foto mit Donald gebettelt. Im Videoclip mullt* Meloni in bester Mussolini-Manier: „Io e l’Italia non imploriamo mai!”
Losgetreten hat das sommerleichte Dramolett der mächtig geschwätzige Donald; er hatte auch einigen Grund dazu. Sauer, weil ihm Italien den vollen Luftdurchzug auf Teheran verwehrt hatte, ärgerte sich The Real Donald noch mehr, wie das kleine, wendige Melönchen angepirscht kam am G7-Gipfel in Évian, mit großen Augen und dem Alles-in-Butter-Blick. ‚Are we friends again?‘, soll sie gefragt haben. Die Körpersprache von Donald J. Trump sagte Nein. Das konnte jeder deutlich sehen.
Was sie oder er wirklich sagten, wissen wir so genau nicht. The Donald wollte es nachträglich für die Welt klarstellen: ‚Sie wollte unbedingt ein Foto mit mir, ich sagte Nein. Dann tat sie mir leid, und ich willigte ein‘. Darauf die Meloni im Video von Rom aus: ‚Ich bin entsetzt! Das ist alles frei erfunden!‘
Beide Darsteller im Melo(ni)dram auf den Socials können nicht zugleich recht haben (um ein stärkeres Wort zu vermeiden). Italien glaubt natürlich der Meloni und nennt den US-Präsidenten einen ‚Coglione‘, einen Eiersack, um genau zu sein (BILD übersetzt mit ‚Vollidiot‘).
Der ‚Signor Mattarella‘ (so Jannik Sinner), greiser Staatspräsident auf dem ‚Colle‘ (Hügel), bekennt derweil öffentlich seine Solidarität mit Giorgia. Welche (Staats-) Macht die Chats in virtuellen Kanälen bereits haben! Da ist die Emser Depesche nichts dagegen.
Der Battibecco (Schnabelhacken) zwischen den beiden Finken geht weiter, als ob es den Atlantik dazwischen nicht gäbe. ‚Dir geht es nur um deine Umfragewerte‘, schmettert der Tycoon. Denk du lieber an deine eigenen‘, schnabelt die Römerin aus Garbatella zurück.
Charmant und elegant gekleidet gab Giorgia Meloni auf allen Welt-Gipfeln die Rolle von Everybodys Darling (denkt an die Szene mit Joe Biden in Apulien). Jetzt ist wohl Schluss mit Meloni-Melodei und Gimpel*-Gipfelei.
Ich bin immer noch ein Freund und Unterstützer von Giorgia Meloni. Auch wenn sie sich mit ihrem taktischen Freundschaftsgetue in Richtung The Thief of Kiew, Leyen-Brüssel und Bibi-Aviv eine schwere Hypothek aufgeladen hat.
Während die Melonian Melodies in den lauen Sommerabend hinaus tönen wie ein Gianna-Nannini-Schlager in Rimini, bläst in der römischen Arena ein Gladiator-General zum Angriff auf die politischen Zweideutigkeiten der Meloni-Ära.
Letzte Warnung: Giorgia, mach weniger Sprüche und entscheide dich, wer du sein willst. Die Giorgia vor oder die Meloni nach der Wahl.
Sytirolish-Glossar
schnabeln = wenn Kinder freche Antworten geben; sticheln.
mullen = die beleidigte Leberwurst geben; trotzen wie ein Muli (Maultier)
Gimpel = eitler Vogel (Dompfaff)